Nach unserer kleinen Exkursion zum Aufstieg und Fall der Unterhose zurück zum Kodex, genauer gesagt, dem Kodex der Mädchen. Soweit ich das verstehe, ist es vielen Mädchen schon früh wichtig, besonders sexy und erwachsen rüberzukommen, was ich ja nachvollziehen kann, weil, wer will das nicht. Und außerdem sind Mädchen nun mal viel weiter als Jungs und so. Das führt dann dazu, dass viele mit zwölf, dreizehn anfangen, sich zu schminken (nichts gegen Schminke, Schminke ist toll – nur, mit zwölf?), Leggins tragen, Hotpants, T-Shirts mit Ausschnitt, T-Shirts mit Löchern ... Finde ich alles toll, aber soll ich das toll finden, soll ich da hingucken?

NEIN!!! Natürlich nicht, du Vollidiot!

Okay, sorry, nur so eine Frage. Aber warum zieht ihr dann so was an?

Dumme Frage!

Ist die Frage wirklich so dumm? Ich meine, die meisten Jungs wollen doch irgendwie Aufmerksamkeit und dass jemand hinguckt, wenn sie sich in so ein ultraenges T-Shirt quetschen, wo man jeden Muskel begutachten kann. Bei Mädchen scheint das ein bisschen anders zu sein. Sie haben keinen Sixpack, zumindest normalerweise nicht, sondern Titten und einen Po, wenn ich das mal so sagen darf. Und da soll aber nur einer hingucken, nämlich der, in den man verknallt ist. Hier endet das rationale Denken, und das Chaos beginnt. Haben die Mädchen denn alle anderen Jungs vergessen, oder haben sie einfach keinen Plan, was so etwas bei Jungs auslöst? Was sehr merkwürdig wäre, da sie ja auch Bio haben und daher wissen sollten, was die Scheiße bewirkt. Sich dann auch noch zu wundern, wenn Jungs, die gerade erst in die Pubertät gekommen sind und die ganze Zeit perverse Witze machen, ihnen auf den Arsch gucken, finde ich nicht gerade superlogisch. Spricht man sie darauf an, schlagen einem Beschimpfungen entgegen, und man wird gefragt, was man denn machen solle, etwa was anderes anziehen?!?!

Ja! Genau!

Nö, so wichtig sei es dann doch nicht.

Was ich dann aber gar nicht verstehe, sind diese Porno-Taschen, die manche Mädchen in meiner Schule mit sich herumschleppen. Da sind dann diese Jungs ohne T-Shirt drauf, die ihre Hände in der Schamgegend ihrer Jeans vergraben haben. Wieder nichts gegen schöne halbnackte Männer, nur, würde ein Junge mit einer Tüte rumlaufen, auf der schöne halbnackte Frauen abgebildet sind, würde er sofort als Perverser abgestempelt werden. Diese schönen Taschen bekommt man beim Kauf eines Kleidungsstückes in einer Abercrombie-&-Fitch- oder in einer Hollister-Filiale. (Wir sehen großzügig darüber hinweg, dass schon das Betreten eines solchen Ladens moralisch nicht tragbar ist, da der Besitzer beider Ketten ein hochprozentiges Arschloch ist, der seine Mode nur an schöne, dünne und reiche Menschen verkaufen will, wie er vor ein paar Jahren in einem Interview verlauten ließ. Und dann sind da noch die Arbeiter, die völlig ausgebeutet werden.)

Hat man den Schultag überstanden, fährt man wieder nach Hause und macht ... was? Genau, Hausaufgaben! Nein! Spaß beiseite, dafür haben wir ja noch heute Abend, morgen früh und den halben morgigen Tag Zeit. Zeit ist ein gutes Stichwort. Eigentlich haben wir viel zu wenig Zeit. Die haben uns doch das 13. Jahr geklaut, was nicht nur unsere Noten, sondern vor allem unser Auslandsjahr in Gefahr bringt. In der Zehnten kann man es nicht mehr machen, da ist Mittlerer Schulabschluss, und Elfte und Zwölfte sind Abi-Vorbereitung. Etwa schon in der Neunten? Darauf verzichten will auch keiner, schließlich gehört das Auslandsjahr heute zum Schülerdasein wie das Klingeln des Handys und die darauf folgende Beschlagnahmung durch den Lehrer. Doch wie findet man den richtigen Aufenthaltsort? Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten. Erstens: Deine Eltern haben genug oder zu viel Geld, dann kommst du wahrscheinlich auf ein Internat in Schottland oder England. Weil die Lehrer dort unglaublich gut sind und weil man Disziplin lernt, sagen deine Eltern. Natürlich erhoffen sie sich auch, dass du danach ein so wunderschönes Englisch sprichst wie der Butler bei Batman und dass deiner Karriere in einem internationalen Konzern nichts mehr im Wege steht. Zweitens: Man lässt sich von seinen Eltern zu so einer Austauschmesse schleppen, wo man sich dann diese schönen Hefte angucken kann, auf denen immer dieselbe Konstellation von glücklichen Schülern zu sehen ist: ein asiatisches Mädchen, eine Europäerin und ein schwarzer Junge, alle in Schuluniform, die an einer Wand mit so Spinden vorbeilaufen und glücklich in die Kamera lächeln. Des Weiteren kann man sich auf so einer Messe mit netten Leuten unterhalten, die schon super Erfahrungen mit ihrem Austauschjahr gemacht haben. Findet man auch dort nichts, bleibt nur zu hoffen, dass deine Mutter eine weit gereiste Frau ist, die Freunde überall auf der Welt hat und gerade Chinesisch studiert, sodass dir die ganze Welt offensteht und du nur die Qual der Wahl hast. Ich träume von so einer Martial-Arts-Klosterschule wie in Batman Begins, falls jemand den geguckt hat. Wenn du von dort zurückkehrst, kann dir keiner mehr was.

Entschuldigt, wir waren gerade zu Hause angekommen. Wenn man die Hausaufgaben auf den Abend verschoben hat, guckt man erst mal bei Facebook, ob irgendwas Spannendes in den letzten fünf Minuten passiert ist. Insgesamt checkt man so ziemlich immer, wenn einem langweilig ist, sein Handy, oder man zockt einfach ein kleines Spiel. Selbst in den Hofpausen wird weniger Fußball gespielt als in der Grundschule, weil viele an ihrem Handy rumdaddeln, weil sie gerade Flappy Bird spielen oder Snapchat-Bilder verschicken. Mein Kumpel Bartholomäus (Name geändert, ist ein ganz schlimmer Fall) zum Beispiel. Mit dem kann man keine drei Minuten ungestört reden, ohne dass er piept, klingelt oder blinkt und auf irgendwelche Nachrichten auf WhatsApp antwortet. Das nervt. Kommen wir also zu dem Freizeitverhalten eines Jugendlichen, und beginnen wir mit Facebook, welches in meiner Klasse von neunzig Prozent der Schüler genutzt wird – dem Rest wird Facebook von den Eltern verboten. Ich werde jetzt erst mal versuchen, ein paar positive Aspekte von Facebook aufzuzählen, bevor ich mit den negativen Aspekten loslege. Man kann sich total einfach mit Freunden verabreden (anstatt sie einfach anzurufen), Facebook hilft dir, wieder Kontakt mit Leuten aufzunehmen, zu denen du ewig keinen Kontakt hattest (vielleicht wird einem dann langsam auch wieder klar, warum man den Kontakt verloren hat). Auf Facebook werden täglich kleine Videos hochgeladen, ein paar sind wirklich lustig, da ist zum Beispiel so ein kleines Baby, das Oh, hello motherfucker! sagt. Andere sind weniger lustig bis eklig. Ja, eklig, und zwar auf jede Weise eklig, die geht: pornografisch, brutal oder eine ungute Mischung aus beidem. Die werden aber recht schnell von Facebook gelöscht, keine Sorge. Man kann außerdem die ganze Welt wissen lassen, dass man jetzt in einer Beziehung mit Karla Knoblauch ist. Was auch praktisch an Facebook ist: dass man so einfach mit dem Mädchen seiner Träume in Kontakt kommen kann, selbst wenn man sich nicht wirklich kennt. Kurz eine Freundschaftsanfrage verschickt, mit einem Profilbild, das man vorher mit einem Tönungseffekt verschönert hat, und ganz unauffällig anfangen zu chatten.