Junge: Hi.

Mädchen: Hi, kennen wir uns?

J: Jetzt schon, wie findest du Twilight?

M: Edward!!!

J: Oder? Voll geil ...

Zwar kenne ich keinen Jungen, der Twilight wirklich geil findet, weil es darin nur um zwei Traumboyfriends geht, die sich beide um dasselbe Mädchen prügeln. Sorry, aber für Jungs fehlt es da einfach an Identifikationsmöglichkeiten. Aber es ist nun mal der schnellste Weg, um sich beliebt zu machen, und per Chat kann man ja auch leichter lügen, als wenn man genau vor jemandem steht. Außerdem erfordert es viel weniger Mut, als jemanden offen zu fragen, und kommt am Ende sogar besser an. Die gleiche Situation in freier Wildbahn: Tom trifft auf das Mädchen, auf das er steht, sowie ihre acht weiblichen Bodyguards, ohne die sie das Klassenzimmer niemals verlässt.

Tom: "Hi, ich bin Tom."

Mädchen-Bodyguard 1: "Und?"

Mädchen der Träume: ... (schweigt – zu schüchtern wegen der Freundinnen oder keinen Bock auf Tom, der wahrscheinlich noch nicht mal Twilight mag)

Tom, in Richtung der Bodyguards: "Ich wollt mal mit Penelope alleine sprechen."

Bodyguard 8: "Sie will aber nicht, stimmt’s, Pene?"

Pene: "Genau, lass uns gehen." (eingeschüchtert von den Bodyguards)

Dann doch lieber Facebook. So, jetzt zur Schattenseite. Was wirklich nervt, sind Leute, die krampfhaft versuchen, Freunde zu finden, und wirklich jedem eine Freundschaftsanfrage senden, auch wenn sie ihn noch nie gesehen haben, um dann mit ihren 300 Freunden angeben zu können. Jungs posieren als Model, Mädchen machen Kussmünder, und dann sind da diese Leute, die immer irgendwelche bescheuerten Bilder von sich beim Rauchen machen oder sich Wasser über den Kopf kippen und das fotografieren und, als wäre das noch nicht schlimm genug, so einen philosophischen Spruch unter das Bild schreiben, den sie von Wikipedia rauskopiert haben. Wobei klar ist, dass sie von dem, was da steht, nicht das Geringste verstanden haben können, weil sie gerade erst zwölf sind. "Angenehm ist am Gegenwärtigen die Tätigkeit, am Künftigen die Hoffnung und am Vergangenen die Erinnerung" (Aristoteles), sag ich da nur. Insgesamt hat Facebook also ein hohes Nervpotenzial, weil alle versuchen, sich so toll und cool wie möglich zu präsentieren.

So. Nachdem wir unsere wichtigen privaten Angelegenheiten geklärt haben, gibt es viele Optionen für die restliche Freizeitgestaltung: Soll man jetzt Sport treiben oder einfach mit den Freunden online zocken oder vielleicht sogar ein ... BUCH LESEN?!? Ich muss sagen, dass nur noch wenige Freunde von mir sich die Mühe machen, ein Buch zu lesen, was ja irgendwie wirklich schade ist. Ich weiß bloß nicht, wieso und für wen. Geht es den Buchhandlungen und Schriftstellern so schlecht? Oder bemitleidet man die, die nicht lesen, weil sie den ganzen Spaß verpassen? Ist doch ihr Problem. Egal. Aus meiner Klasse, das sind so um die dreißig Kinder, lesen ungefähr sieben Leute. Ist jetzt nicht so, dass die anderen gar nicht lesen, nur halt nicht so gerne und sehr selten. Ein Minus für Bücher ist, dass man sich nicht wirklich zum Lesen treffen kann. Ein Plus ist, dass Bücher meistens weniger kosten als Spiele und dass man sie sich aus einer Bibliothek sogar kostenlos ausleihen kann. Für Leute mit viel Fantasie sind Bücher besser als der beste Film oder das beste Spiel. Sie schaffen Welten, Figuren und Stimmungen, die kein Spiel mit noch so guter Grafik nachahmen kann. Aber um das zu verstehen, muss man ein paar Bücher gelesen haben, und ich kenne tatsächlich Leute, die dieses Erlebnis noch nie hatten. Umgekehrt gibt es auch viele Leute, die selber noch kein einziges Spiel gespielt haben und dann fest davon überzeugt sind, dass Ego-Shooter-Games zum Amoklauf animieren würden.

Was viele Erwachsene nicht wissen, ist, dass ihr Kind, wenn es im Kinderzimmer am Computer versinkt, nicht unbedingt herumballert, sondern vielleicht gerade dabei ist, auf einen Bauernhof aufzupassen. Es spielt also ein sogenanntes Browsergame, das sind Spiele, die meist übers Internet gespielt werden und kostenlos sind. Du musst eine Farm vergrößern, eine Stadt aufbauen, mit Siedlern eine neue Welt erkunden. Das heißt, du musst dann jeden Tag zu einer bestimmten Uhrzeit das Getreide ernten, die Kühe melken, Abgaben fordern. Das Problem ist bloß, dass du ab einem gewissen Zeitpunkt nicht besser wirst. Es gibt natürlich Ausnahmen, aber meistens ist das wirklich so. Jetzt ist der Punkt gekommen, an dem du Geld für eine imaginäre Währung ausgeben musst, und das nicht nur einmal, sondern immer und immer wieder. Das sind die Spiele, die einem das Geld richtig aus der Tasche ziehen und Leute richtig süchtig machen können. Natürlich fällt da nicht jeder drauf rein, aber ein paar wenige haben sie dann beim Wickel. Doch nur weil jemand Geld für ein Spiel ausgibt, ist er noch nicht süchtig, es ist, ehrlich gesagt, für die meisten Jugendlichen normal geworden, Geld für Spielewährungen auszugeben. Dabei handelt es sich meist um Summen von zehn Euro im Monat, was schon scheiße viel Geld für so ein paar Pixel ist. Ich selbst habe aufgehört, solche Spiele zu spielen, da es einfach ungeheuer frustrierend ist, über acht Monate zu spielen und nie eine Chance zu haben gegen die, die Geld ausgeben. Von meinen Freunden haben außerdem die meisten eine Playstation, da zahlt man einmal so um die fünfzig Euro für ein Spiel, und dafür kann man sich dann mit Freunden treffen und im Mehrspielermodus zocken. Das macht am meisten Bock und ist, wie ich finde, ein sehr positiver und sozialer Aspekt, den Spiele haben und der Büchern fehlt. (Am besten sind dann die Eltern, die ihrem Kind Playstation verbieten und sagen, es solle sich doch mal mit Freunden treffen. Sie haben nicht die geringste Ahnung, dass Kinder sich heute nicht mehr zum Legospielen treffen wollen oder zum Hausaufgabenmachen, sondern zum Zocken.) Übliche Szenarien bei Konsolenspielen sind allerdings tatsächlich meist Kriegsspiele, in denen man mit seinem Team gegen ein anderes Team kämpft, das heißt, man gibt sich Feuerschutz und entwickelt gemeinsam Strategien. Das kann man mit echtem Krieg nicht vergleichen und mit Amokläufern erst recht nicht, und ich kenne auch keinen, der das verwechselt, und es würde mich wirklich freuen, wenn es nie wieder eine Talkshow zu dem Thema gäbe. Rollenspiele hingegen sind meist unglaublich komplexe Welten, in denen man sich mit seinem Charakter den Weg irgendwohin erkämpft und dabei mittelalterliche oder sogar antike Schauplätze und Fantasy-Welten im Tolkien-Stil erkunden kann. Diese Spiele sind dem Lesen sehr ähnlich, da man mit seinem Helden Abenteuer erlebt und Aufgaben lösen muss. In diesen Welten kann man sich fast so verlieren wie in Büchern.

So, wir haben jetzt gute drei Stunden gezockt, Sport getrieben oder Bücher gelesen. Was jetzt?