Die Frage: Daniel und Maria sind frisch verliebt und schlafen bald in seiner, bald in ihrer Wohnung. Maria findet, dass Daniel zu selten bei ihr übernachtet. Es stört sie auch, dass er manchmal mitten in der Nacht in seine Wohnung fährt, weil er nicht einschlafen kann, während sie am liebsten die Nächte eng umschlungen mit ihm verbringt. Vielleicht ist Daniel die Decke zu klein? Sie kauft eine neue in Überbreite und ist sehr verstimmt, als Daniel aufatmend sagt: "Jetzt hast du endlich auch zwei Decken, ich verstehe nicht, wie du es die ganze Nacht zu zweit unter einer Decke aushältst!" – "Aber ich wollte die alte wegtun und habe die neue extra groß gekauft, damit wir beide es warm und bequem haben! Ich frage mich, ob du mich wirklich liebst, wenn du dich so abschotten musst!"

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Wolfgang Schmidbauer antwortet: Verliebt sein heißt Höhenflug und Sturzgefahr, Hoffnung auf Besitz und Furcht vor Verlust. Wer klammert, gewinnt keine Sicherheit. Im Gegenteil: Das Widerstreben des Partners bekräftigt die Ängste. Siamesische Zwillinge sind kein Vorbild. Unsere Antworten auf die Frage, was wirkliche Liebe ist, weichen oft erheblich mehr voneinander ab, als es Unterschiede zwischen Betten gibt, etwa zwischen einem französischen Bett und einem deutschen Doppelbett. Daniels Bedürfnis, sich in eine eigene Decke zu wickeln, ist kein Widerspruch zu seiner Liebe, allenfalls zeigt es, dass er andere Schlafgewohnheiten hat als Maria. Liebe beweist sich nicht durch Nähe allein. Sie äußert sich auch in der Fähigkeit, Trennungen liebevoll zu vollziehen und sich danach einander wieder zu nähern.