Der Club der alten weißen Männer, der die Oscars vergibt, hat in seiner 86-jährigen Geschichte erstmals einen schwarzen Künstler in der Königsdisziplin ausgezeichnet. Der britische Regisseur und Produzent Steve McQueen hat mit seinem Film 12 Years a Slave in der Kategorie "Bester Film" gewonnen. Ein Sklavendrama wurde in dem Jahr mit dem höchsten Filmpreis geehrt, in dem sich die Unterzeichnung des Civil Rights Acts in den USA zum 50. Mal jährt – jenem Bürgerrechtsgesetz, das die Rassentrennung und Wählerdiskriminierung schwarzer Amerikaner aufhob.

Mehr Happy End, mehr Hollywood geht nicht. Oder?

Schwarze Künstler wurden bisher nur selten ausgezeichnet. Hattie McDaniel gewann 1940 als erste schwarze Frau den Oscar als beste Nebendarstellerin für ihre Rolle der Mammy in Vom Winde verweht. 24 Jahre dauerte es, bis Sidney Poitier 1964 als erster schwarzer Hauptdarsteller die Trophäe für Lilien auf dem Felde erhielt.

Im Juli desselben Jahres unterzeichnete US-Präsident Lyndon B. Johnson den Civil Rights Act. Im Dezember nahm Martin Luther King jr. den Friedensnobelpreis entgegen. Unmöglich, dass die Academy of Motion Pictures Arts and Sciences, die über die Oscars entscheidet, die Bedeutung des diesjährigen Jubiläums übersehen hätte: Auch mit dem Oscar wird schließlich Politik gemacht.

In der Vergangenheit gab es immer wieder Kritik an der Zusammensetzung dieses Gremiums. Einer aktuellen Studie der LA Times zufolge, die die Biografien von etwa 5100 der knapp 6000 Oscar-Wahlberechtigten auswertete, sind 93 Prozent weiß und 74 Prozent männlich, das Durchschnittsalter liegt bei 62 Jahren. Im vergangenen Sommer übernahm Cheryl Boone Isaacs als erste schwarze Frau die Präsidentschaft. Seither versucht das Komitee, sein Image und die Zusammensetzung zu ändern, es jünger, weiblicher und kulturell vielfältiger zu machen – so wie das Kinopublikum. Die Umsetzung läuft bisher schleppend, heißt es.

Natürlich verdient 12 Years a Slave den Erfolg und die Anerkennung, denn er erzählt ein Stück finsterer amerikanischer Geschichte, die bis heute nachwirkt. Aber wäre es nicht schön, wenn Filme schwarzer Künstler ganz selbstverständlich ins Rennen um den Oscar für die "Beste Regie" oder den "Besten Film" gingen, egal in welchem Genre? Ganz ohne Jubiläum? Und nicht nur alle 50 Jahre?