Ihre "nicht unbeschwerte, aber interessante" Kindheit verbrachte sie im Haus des Großvaters, in dem es ihrer Erinnerung nach keine Spiele, keine Musik, keinen Spaß gab, dafür aber Redensarten über Arbeitsmoral und Lebenskampf. Übertrieben, wie ihre Mutter ihr später vorwarf, oder nicht – zumindest erklärt sie so ihren ausgeprägten Perfektionismus wie ihre Neigung zur Erschaffung von Fantasiewelten. Als sie mit 16 die Schule beendete, war sie bereits unzertrennlich von ihrem künftigen Ehemann. Um vom Großelternhaus unabhängig zu sein, begann sie als Journalistin zu arbeiten – was sie als "natürliche Fortsetzung" der Schule empfand. Ebenso natürlich wie ab 19 den Zustand als Ehefrau und Mutter. Sie schrieb Horoskope und Rezepte, war Kummerkastentante und wurde als Fernsehjournalistin bekannt. Als sie einen großen Dichter besuchte, weigerte der sich, ihr ein Interview zu geben, und warf ihr vor, die schlechteste Journalistin des Landes zu sein, unfähig zur Objektivität, sich stets in den Mittelpunkt zu stellen, zu lügen und mangels Neuigkeiten welche zu erfinden. "Warum schreiben Sie nicht lieber Romane? In der Literatur sind diese Fehler echte Tugenden."

Geschrieben hatte sie schon immer: Tagebuch und endlose Briefe. So schrieb sie einen langen Brief an ihren sterbenden Großvater, weil sie nicht zu ihm konnte. Nie abgeschickt, wuchs der Brief zu einem umfangreichen Manuskript, das veröffentlicht ein Bestseller wurde. Da war ihr Leben von politischen Ereignissen schon "mit dem Beil in zwei Teile geschlagen" worden. Mit Leidenschaft warf sie sich nun auf die Aufgabe, von ihrem Land zu erzählen, "von den Unterdrückten, Misshandelten und zum Schweigen Gebrachten". Zu ihrer Glaubwürdigkeit als deren öffentliche Stimme trug nicht zuletzt ihr Name bei, der des Vaters, den sie nie hatte wiedersehen wollen, und der seines Vetters, des Märtyrers. Später wurde sie bescheidener. Ihre Geschichten erzählen vom kulturellen Erbe aus einer persönlichen Perspektive, bis hin zu der sehr intimen Verarbeitung eines Schicksalsschlags. Als sie vor der Entscheidung stand zwischen politischem Engagement in ihrer Heimat und der Liebe, folgte sie der Liebe in ein anderes Land. Wer ist’s?

Lösung aus Nr. 10:

Benjamin Biolay (* 1973) gilt in Frankreich als Erneuerer des Chansons, anfangs wurde er mit Serge Gainsbourg verglichen. Biolay veröffentlichte Solo-CDs, produziert, komponiert und ist als Schauspieler präsent, zuletzt in "Unter dem Regenbogen". Tochter Anna stammt aus der Ehe mit Chiara Mastroianni