Schimpansen können sehr brutal gegenüber Menschen agieren, auch wenn sie jahrelang friedlich als Haustier bei ihnen gelebt haben. Es gibt da grausame Geschichten, und wenn die erzählt werden, fehlt selten der Hinweis darauf, dass Schimpansen fünf- bis achtmal so stark seien wie Menschen.

Die Affen haben gewiss kräftige Arme; aber wenn die Angabe "fünf- bis achtmal" stimmte, müssten sie ein Gewicht von einer Tonne stemmen können – was selbst der stärkste Affe nicht vermag. Woher also stammt die Legende? Der amerikanische Anthropologe John Hawks hat ihre Genese einmal im Online-Magazin Slate nachgezeichnet. Die Geschichte geht zurück auf Experimente des Biologen John Bauman, veröffentlicht 1926 im Journal of Mammalogy. Bauman ließ Affen und Menschen an einem Kraftmesser ziehen – die humanen Probanden, allesamt Footballspieler, schafften maximal 220 Kilo, die stärkste Schimpansin erreichte dagegen 572. Da die Menschen mit dem Kraftmesser nach Belieben hantieren durften, während die Affen nur an einem Seil zogen, das durch die Gitterstäbe ihres Käfigs geführt wurde, rundete der Forscher das Verhältnis großzügig auf und schrieb, der Faktor fünf sei durchaus plausibel.

Die Zahl fand ihren Weg in zahlreiche Lehrbücher und wird seitdem verbreitet, obwohl schon in den vierziger Jahren sorgfältigere Experimente gezeigt haben, dass ein ausgewachsener Schimpanse etwa so stark ist wie ein erwachsener Mensch.

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Anders sieht die Sache nur aus, wenn man die Stärke auf das Körpergewicht bezieht: Pro Kilo Gewicht sind Affen etwa doppelt so stark wie Menschen. Woran das liegt? Erstens sind die wichtigen Muskelfasern der Schimpansen länger und können die doppelte Arbeit verrichten. Und zweitens zahlen Menschen den Preis für ihr höher entwickeltes Gehirn: Weil wir mehr Motorneurone besitzen, können wir unsere Muskelkraft feiner justieren – der Affe schlägt immer mit voller Kraft zu.

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