Nach einem harten Arbeitstag schwanken wir zum Elektronikfachmarkt und gönnen uns was. Ein Tablet. Vom Marktführer. Schlank, leicht, cool, fantastische Auflösung, rasante Prozessoren. Sauteuer, aber man hat sich’s verdient. Auf dem Nachhauseweg Glücksgefühle. Das limbische System steht knietief in Dopamin, dem Belohnungshormon. Daheim, noch vor dem Abendbrot, wird das Ding eingeweiht. Mal sehen, wie sehr es den Alltag optimiert. Ein, zwei Kontakte eintragen, paar Kalenderdaten, und ... na ja, der Bildschirm könnte etwas heller sein. Und allmählich geschieht Merkwürdiges: Obwohl wir uns gerade mit so einem tollen Must-have for men verwöhnt haben, werden wir quengelig. Die kleinste Verwirrung in einem Untermenü macht uns böse. Nach und nach verflüchtigt sich alles Dopamin, stattdessen flutet Cortisol die emotionalen Nervenknoten. Das Stresshormon. Der Erfolg: Saulaune.

Der Stimmungsumschwung ist kein Einzelschicksal, sondern Gesetz. Das haben nun Kognitionspsychologen der TU Berlin herausgefunden: Technische Geräte vermiesen die Stimmung. Jedenfalls die Stimmung gut Gelaunter. Wer ohnehin schlechter Laune ist, an dessen Gefühlslage ändert auch Technik nichts. Es sei leichter, Menschen mit Technik zu frustrieren als zu beflügeln, sagen die Forscher. Dahinter stecke die generelle "Fragilität positiver Emotionen".

Gegen diesen – menschheitsgeschichtlich wahrscheinlich sehr alten – Zusammenhang und die durch Technik gestörten Emotionen kämpfen Hersteller und Verkäufer technischer Geräte instinktiv schon lange. So versucht ein Wolfsburger Automobilbauer, mittels einer "blue-e-motion-Technik" neue Autos und positive Gefühle an den Mann zu bringen. Die aktuelle Roboterentwicklung verspricht uns gar "sozial- und emotionssensitive Systeme für eine optimierte Mensch-Technik-Interaktion" – der Kollege Roboter soll Gefühle verstehen und zeigen, um unsere fragile Gefühlslage zu stützen.

Doch wie lässt sich die Laune der Techniknutzer wirklich stabilisieren? Auch das kann man von den Berliner Kognitionspsychologen lernen. Um für ihre Experimente gut gelaunte Teilnehmer zu bekommen, durften diese zunächst virtuelle Autorennen fahren. Dabei waren die Spielekonsolen so programmiert, dass leicht hohe Punktzahlen erreicht wurden. Da kam Freude auf. Das Dopamin schwappte nur so.

Genauso belohnungsintensiv müssten technische Geräte sein. Sie müssten Punkte fürs Herumtippen auf einer Tastatur verteilen. Der Benutzer eines Rasierapparates würde belohnt, indem er beim Rasieren automatisch höhere Levels erreichte. Mikrowellen könnten mit zunehmender Nutzung einen VIP-Status verleihen. Und Neuwagen müssten nicht nur laufen, sondern den Fahrer pausenlos aufmuntern ("Du bist so gut heute!"). Oder vielleicht regelmäßig Bonbons auswerfen. Motto: Glück und Glas, wie leicht bricht das!