Neulich schwebte Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen in Brüssel ein. Die Bank hatte zum Jahresempfang ins Concert Noble geladen, einen kronleuchterbehangenen Prunksaal, der ursprünglich zur Belustigung des belgischen Adels gebaut worden ist. Vor dieser Kulisse verteufelte Fitschen einmal mehr die Finanztransaktionssteuer, über die seit Jahren gestritten wird und die 2014 endlich beschlossen werden soll. Seine Frage war: Warum versteht niemand in Brüssel, dass die Banken diese Steuer gar nicht zahlen werden, sondern am Ende die Verbraucher?

Herr Fitschen, vielleicht weil es nicht stimmt?

Fitschen argumentiert, dass Banken derzeit wenig Geld auf der hohen Kante hätten und eine Steuer auf Finanzgeschäfte sofort an ihre Kunden weiterreichen würden. Das ist ein ziemlicher Unfug. Ob jemand eine Steuer "weiterreichen" kann, hängt nicht vom eigenen Erfolg ab, sondern zum Beispiel davon, wie nötig der Käufer das Produkt hat und ob es (günstigere) Alternativen gibt.

Tanken muss jeder Autofahrer. Deswegen führen höhere Energiesteuern nicht dazu, dass Aral und Esso die Umsätze wegbrechen – ein Pendler hat keine andere Wahl. Und neue Steuern auf Zigaretten sorgten dafür, dass mehr Menschen Tabak kauften und sich die Zigaretten selber drehten.

Wahrscheinlich regt sich Herr Fitschen nur deshalb so auf, weil er weiß, dass kaum ein Käufer eines Investmentfonds von seiner Bank verlangt, dreimal am Tag Aktien und Anleihen zu kaufen und zu verkaufen, was viele Fondsmanager gerne tun. Auf solche Geschäfte soll künftig eine Steuer von 0,1 Prozent des Umsatzes fällig werden. Wenn Banken also nicht zahlen wollen, sollten sie das Geschäftsmodell ihrer Fonds hinterfragen. Sie sollten sich ein Beispiel an jenen Rauchern nehmen, die aus Wut über den Finanzminister auf ein paar Zigaretten am Tag verzichten. Also ein paar Geschäfte weniger machen.