Elefanten sind brachiale Gesellen. Sie entwurzeln Bäume oder brechen sie ab, trampeln Pflanzen an Flüssen und Wasserlöchern nieder und verteilen ihren Kot in der Landschaft. Mit ihrer Kraft prägen sie Lebensräume, weshalb sie als Ökosystemingenieure gelten, die einen großen Einfluss auf andere Tier- und Pflanzenarten haben: Sie reduzieren den Baumbewuchs und halten die Landschaft offen. In ihrem Verdauungstrakt wandern Pflanzensamen über viele Kilometer und werden so verbreitet. Amphibien oder Antilopen profitieren davon, dass Elefanten Wasserlöcher frei von Bewuchs halten.

Lebensräume, in denen Elefanten sich frei vom Einfluss des Menschen bewegen können, gibt es de facto nicht mehr. Großtiermanagement soll Menschen und Tieren helfen, möglichst problemlos nebeneinander zu leben. Doch das erfordert Kenntnis und Fingerspitzengefühl, denn potenziell ist jeder Eingriff problematisch: Künstliche Wasserlöcher können die natürliche Selektion verhindern, die dafür sorgt, dass schwache Elefanten sterben. Ziehen sie zu viele Tiere an, nimmt die Vegetation um die Trink- und Badestelle dauerhaft Schaden.

Ein anderes Managementwerkzeug sind Zäune, die Elefanten davon abhalten, in Siedlungsgebiete einzuwandern – aber auch davon, zu hohem Populationsdruck auszuweichen und sich neue Lebensräume zu erobern. Häufig ist ein solches verfehltes Management der Grund, wenn davon gesprochen wird, dass es "zu viele" Elefanten gebe. Die Tiere benutzen bei ihren langen Wanderungen traditionelle Zugkorridore. Erst langsam setzt sich die Erkenntnis durch, dass solche Bereiche besonders geschützt werden müssen – lassen sich Menschen hier nieder oder nutzen die Flächen als Ackerland, kommt es zwangsläufig zu Problemen.

Chinas Hunger nach Elfenbein

Ob afrikanische Elefanten in Zukunft überleben werden, hängt vor allem von zwei Faktoren ab: dem Verlust an Lebensraum und dem illegalen Abschuss. Asien ist der Hauptabnehmer für Elfenbein. Dort unterstreichen Aufsteiger in die wohlhabende Mittelschicht ihren sozialen Status mit Elfenbeinprodukten. Dabei wissen laut einer kürzlich erschienenen Umfrage des International Fund for Animal Welfare (IFAW) sieben von zehn Chinesen nicht, dass Elfenbein immer von einem toten Elefanten stammt.

Der Handel mit dem seltenen Material ist äußerst lukrativ und wird in großen Teilen von professionellen und international agierenden kriminellen Syndikaten betrieben. Terrorgruppen wie die Al-Shabaab-Miliz finanzieren sich zum Teil über Wilderei. Gegen die gut organisierten und ausgestatteten Jäger, die Elefanten oder Nashörner im großen Stil abschlachten, sind lokale Behörden oft machtlos. Der Preis für Elfenbein entlang der Wertschöpfungskette steigt bis zum Endverbraucher. Die Handlanger und einfachen Wilderer werden häufig mit Nahrungsmitteln oder Elefantenfleisch entlohnt. Jäger, die am Fleisch interessiert sind und für ihren Eigenbedarf töten, sind für die Populationen ein geringeres Problem.

Der internationale Handel mit Elfenbein ist durch das Artenschutzabkommen CITES verboten, doch einige Länder erlauben weiterhin lokale Märkte. Das ist problematisch, denn legales und illegales Elfenbein lassen sich schwer unterscheiden. In Afrika findet man heute noch 500.000 Tiere, etwa halb so viele wie vor 40 Jahren. Während die Savannenelefanten sich in einigen Gebieten vermehren, ist die Situation des afrikanischen Waldelefanten kritisch. Jüngste Zahlen belegen, dass in den vergangenen zwölf Jahren 65 Prozent des Bestandes von 2012 illegal geschlachtet wurden.