FH Südwestfalen: Studieren beim TÜV

Früher galt er als Schrecken deutscher Autobesitzer, heute ist er ein internationales Unternehmen: Der Technische Überwachungsverein, kurz TÜV, entscheidet inzwischen nicht mehr nur darüber, welche Autos noch auf die Straße dürfen, sondern testet auch Babynahrung und Bohrmaschinen. Und seit 2008 kann man beim TÜV sogar studieren.

In einer eigenen Akademie bietet der TÜV Rheinland Bachelorstudiengänge in Elektrotechnik, Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen an. Alles berufsbegleitend, Vorlesungen und Seminare gibt es nur alle zwei Wochen samstags. Neun Semester brauchen die Studenten bis zum Abschluss. Als Zulassung für das Studium akzeptiert der TÜV nicht nur das Abitur, sondern auch einen Meistertitel, eine abgeschlossene Berufsausbildung oder einen Technikerabschluss. All das kann der TÜV anbieten, ohne je einen einzigen Professor eingestellt zu haben. Er kauft die Studiengänge an der Fachhochschule Südwestfalen ein. "Wir entwickeln die Inhalte und wählen die Dozenten aus, die Vorlesungen finden dann in den Räumen des TÜV statt", sagt Claus Schuster, Präsident der FH Südwestfalen. Für die Fachhochschule aus Iserlohn ist das praktisch. Über den TÜV kann sie ihre Weiterbildungsstudiengänge an viele Abnehmer verkaufen, ohne selbst Klinken zu putzen. "Wir haben Kontakte zu vielen Unternehmen, denen wir anbieten, ihre Mitarbeiter zu hochqualifizierten Fachkräften auszubilden", sagt Stefan Ungruh, Studienleiter beim TÜV Rheinland. "Der TÜV macht für uns im Grunde die Akquise", sagt Claus Schuster.

Die Studiengebühren in Höhe von 1.850 Euro pro Semester zahlen die Studenten direkt an den TÜV Rheinland, der einen Teil davon an die FH Südwestfalen weitergibt. Ähnliche Verträge hat die Hochschule mit der Technischen Akademie Wuppertal und Siemens geschlossen. Dabei gehe es nicht nur ums Geldverdienen: "Wir bauen so gute Kontakte zu Industrieunternehmen auf, die auch der grundständigen Lehre und der Forschung zugutekommen", sagt Schuster.

Ruhr-Uni Bochum: Wo Betriebsräte lernen

Für einen Universitätsangestellten benutzt Armin Schulz ungewöhnliches Vokabular. "Wir orientierten uns streng am Markt und an den Wünschen unserer Kunden", sagt er zum Beispiel. Die Akademie, die er leitet, ist die Weiterbildungsabteilung der Hochschule. Gegründet wurde sie bereits 1999, doch Armin Schulz hat der Einrichtung neues Leben eingehaucht, als er vor fast zwei Jahren als neuer Leiter anfing.

Schulz plant strategisch wie ein Verkäufer, welche Seminare und berufsbegleitenden Studiengänge die Unternehmen im Ruhrgebiet und in den umliegenden Regionen gebrauchen könnten. Die Akademie bietet zum Beispiel ein Seminar zum Veränderungsmanagement für Betriebsräte an. Eine Art Krisenkurs, bei dem Betriebsräte lernen, was sie bei Werksschließungen oder Verlagerungen der Produktion machen können und wie sie möglichst geschickt verhandeln. Aber auch die neuen Arbeiter im Ruhrgebiet will Schulz als Kunden für die Ruhr-Universität gewinnen. Die, die mehr mit dem Kopf und weniger mit den Händen arbeiten. An der Akademie gibt es zum Beispiel mehrere Weiterbildungskurse, die in Kooperation mit großen Banken und Unternehmensberatungen entstanden sind.

Die Akademie ist eine eigenständige GmbH und genießt daher viele Freiheiten. "Wir sind für unser Geld selbst verantwortlich – das ist ein großer Vorteil", sagt Armin Schulz. Wenn Professoren der Universität in einem Seminar an der Akademie Bankangestellte unterrichten sollen, kauft Schulz sie dafür extra ein. Das Geld, das die Akademie verdient, darf er in neue Seminare und Studiengänge reinvestieren und muss es nicht in den allgemeinen Universitätshaushalt abgeben. Vor allem den Vertrieb hat der neue Leiter professionalisiert. Seit einem halben Jahr gibt es zwei Mitarbeiter, die zu Unternehmen fahren, Broschüren verteilen und Seminare verkaufen. So wisse man genau, was die Unternehmen brauchen, und könne auf die Nachfrage schnell reagieren, sagt Schulz.