Geschichte kann atemberaubend sein, wie jetzt in Kiew: Scharfschützen töteten Demonstranten, faktisch wurde der Ausnahmezustand verhängt, dann war der Präsident plötzlich weg. Niemand konnte sich zuvor vorstellen, dass der Versuch, in der Wahrheit zu leben, wie Václav Havel es mal genannt hat, so schnell zur Wirklichkeit würde – auch nicht die Autoren des Sammelbandes Majdan! Ukraine, Europa, die ihre Texte schrieben, als Viktor Janukowitsch noch Präsident war. Es ist ein großes Glück, dass – neben Veröffentlichtungen von deutschen Politikern und namhaften internationalen Autoren wie Timothy Garton Ash oder Orlando Figes – die meisten Texte von Menschen aus der ukrainischen Opposition stammen. Sie legen Zeugnis ab, während sie den Ereignissen zuschauen. Sie beobachten, zweifeln, schreiben Gedichte, notieren ihre Erfahrungen, ringen mit ihrem Entsetzen über die Skrupellosigkeit des Regimes, hadern mit den Schwächen der Oppositionsführer, denken darüber nach, wie stark die Kräfte der Rechten auf dem Maidan wirklich sind. Es sind interessante Einblicke in die Binnenlogik der "Revolution", die nach eigenen Gesetzmäßigkeiten verläuft. Oder wie es Garton Ash ausdrückt: "Lasst alle Narrative hinter Euch, Ihr Reporter, die Ihr hier eintretet."

Nun, bevor eine neue, ungewisse Zeit anbricht, erinnert dieser Band daran, worum es ging. Er klingt wie ein historisches Rauschen, live aufgenommen gestern, auf dem Maidan.