Was nicht alles der Fall ist: Es kann einem etwas auffallen oder auch einfallen, und manchmal überfallen einen sogar gewisse Gefühle. Der Unfall wiederum ist die Initialzündung für Robert Musils Roman Mann ohne Eigenschaften, und der Abfall ist in Form von Plastik für die Weltmeere ein großes Problem. Sicher kann man auch einfach von einem Dach fallen, wie der Künstler Bas Jan Ader es einmal in einem Video gezeigt hat, oder von einem Ast. Am Ende aber fällt man, was "ja bekanntermaßen nicht ganz erklärt und nach wie vor unabwendbar" ist, einfach in den Schlaf. So zumindest heißt es in Dorothee Elmigers Buch Schlafgänger. Nach ihrem klug-versponnenen Debüt Einladung an die Waghalsigen entwirft Elmiger hier, nicht minder waghalsig, ein dichtes, mitunter undurchschaubar verwickeltes Geflecht von Stimmen – fernab aller Figurenpsychologie, unter Verzicht auf eine klare Handlung und voll perspektivischer Brechungen: "Nahe der Reuss in Luzern wird der Festgenommene in eine Nebenstraße gezerrt und liegt dann auf dem Asphalt, während in der Küche das Wasser kocht, dann der Tee aufgebrüht und zur Hälfte getrunken wird."