Man stelle sich vor, kurz nach John F. Kennedys legendärer "Mond-Rede" 1961 hätte eine lokale Abstimmung von Viehzüchtern in Texas ausgereicht, um das ganze Mondflug-Programm der USA zu torpedieren. Absurd? Nicht im Europa des Jahres 2014. Dort scheint gerade Vergleichbares zu geschehen.

Die Europäer wollen zwar nicht zum Mond, aber die Arbeitsweise des menschlichen Gehirns entschlüsseln. Dazu kürte die EU-Kommission im vergangenen Jahr das Human Brain Project (HBP) zum "Flaggschiff" der europäischen Forschung (ZEIT Nr. 6/13). Gefördert werden soll es mit einer Milliarde Euro, 80 Forschungsinstitute sind daran beteiligt – wohl nie gab es auf diesem Kontinent ein größeres Projekt zur Wissensintegration.

Dumm nur, dass die HBP-Zentrale im schweizerischen Lausanne liegt. Denn seit der eidgenössischen Volksabstimmung gegen Zuwanderung hat die EU alle Forschungskooperationen mit der Schweiz auf Eis gelegt. Das betrifft Austauschstudenten ebenso wie viele Unis – und auch Vorhaben wie das Human Brain Project.

Ein doppelter Schildbürgerstreich! Während die Schweizer mit ihrem Votum die eigene Wissenschaft in die Isolation treiben, droht umgekehrt die EU, ihr Flaggschiff zu versenken, noch bevor es richtig vom Stapel laufen konnte. Nun brauchte es zumindest in Brüssel Weitblickende, die einsehen: Gemeinsame Forschung eignet sich nicht für Sanktionen.