Jeder zehnte Deutsche fastet gerade. Bis Ostern verzichten die Bundesbürger wahlweise auf Alkohol, Zigaretten, Fleisch, Süßigkeiten, den Gebrauch ihrer Smartphones oder sogar auf Sex – manche auf mehrere Dinge gleichzeitig. Das zumindest behaupten sie in Umfragen.

Die neue Enthaltsamkeit ist mehr als bloßes Entsagen, sie zeugt von innerer Erhabenheit. Verzicht wird zum hippen Konsum-Lifestyle. Die passende Lektüre dazu gibt es schon. Gerade ist das Buch Apokalypse jetzt! erschienen, in dem eine junge Autorin beschreibt, wie sie ein Jahr auf Konsum verzichtet hat: Sie geht jagen, schläft im Wald oder im Bauwagen, baut Stadtgemüse an, wird zur Selbermacherin und reist kostenlos durch Europa.

Die volkswirtschaftlichen Auswirkungen haben die Asketen freilich nicht im Blick: Während deutsche Unternehmen so viel exportieren wie lange nicht, verpasst die Fastenzeit dem Binnenkonsum einen weiteren Dämpfer. Und wer 40 Tage lang auf Sex verzichtet, verschärft das demografische Problem tendenziell sogar.

Hoffnung macht da, was Forscher vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln herausgefunden haben: Zehn Monate nach Karneval steigt die Geburtenrate in Deutschland stark an, also rund neun Monate nachdem die Deutschen angeblich so enthaltsam gelebt haben. Da liegt die Vermutung nahe: Die Deutschen sind große Fastenversprecher – und noch größere Fastenbrecher.