Seit ein paar Tagen bekommen viele Anleger wieder glänzende Augen bei diesem Wort: Gold. Im vergangenen Jahr war der Goldpreis noch der Verlierer des Jahres. Doch nun steigt er wieder, kräftig sogar. Auslöser dafür ist Russland, besser gesagt: die Krimkrise. Sie hat weltweit die Aktienmärkte abstürzen lassen, denn groß ist die Angst der Investoren, dass es zum bewaffneten Konflikt kommen könnte. Welche Auswirkungen das auf Europa, die Welt und deren Wirtschaft haben könnte, mag sich niemand ausmalen. Und wie immer, wenn die Märkte von Krisen erschüttert werden, gibt es scheinbar einen Gewinner: eben das Gold.

Es ist für viele Anleger seit jeher die ultimative Fluchtwährung. Der sichere Hafen fürs Ersparte, wenn Kriege, Staatskrisen oder Währungsreformen drohen. Papiergeld wurde schon öfter in der Geschichte wertlos. Gold aber kann man immer gegen irgendwas eintauschen. Da weiß man, was man hat. Das zumindest denken diejenigen, die das Edelmetall genau für solche Momente in ihren Depots horten. Darum war auch nach der Finanzkrise der Ansturm aufs Gold so groß und erst recht, als mehrere Staaten Südeuropas ins Trudeln kamen und ganz Europa fragte: Hält der Euro?

Doch was sich am Goldmarkt gebildet habe und angesichts der Krimkrise weiter aufblähe, sei eine große Blase, warnen Forscher. Über kurz oder lang werde das Edelmetall stark an Wert verlieren. Schon 2013 hielten viele Marktbeobachter die Luft an. Gelöst sind viele Probleme vor allem in Europa noch nicht, dennoch passierte, was viele nicht für möglich hielten: Der Goldpreis brach ein. Erstmals seit zwölf Jahren schloss das Edelmetall das Kalenderjahr mit einem großen Minus ab. Allein an zwei Tagen im April warfen Investoren mehr Gold auf den Markt, als alle Minen der Welt im Jahr produzieren. Der Preis pro Feinunze sank von 1.800 Dollar auf rund 1.200 Dollar. Innerhalb eines Jahres verlor die vermeintlich sicherste Geldanlage der Welt rund ein Drittel ihres Wertes: so viel wie seit 30 Jahren nicht mehr.

Jetzt, wo der Kurs wieder steigt, denken viele: Es war nur eine Schwächephase, es geht wieder bergauf. Kursbeobachter jubelten, das sei das "Ende der Talsohle", das Gold setze zu einer neuen Aufwärtsbewegung an. Und auch die Regulierungsstelle der amerikanischen Rohstoffbörsen belegte jüngst: Viele Investoren deckten sich mit Papieren ein, die auf einen steigenden Goldpreis wetten. Und fast schon euphorisch streute der Bundesverband deutscher Banken bereits im Februar "Tipps für den Goldkauf" unters Anlagevolk. Und das Volk kauft, melden Münzprägeanstalten und Goldhändler: Privatanleger stürzen sich derzeit aufs Gold in Münzen und Minibarren wie lange nicht mehr.

Doch viele Großinvestoren sind eher skeptisch. George Soros, der amerikanische Erfolgsspekulant, erschreckte die Welt schon 2010 mit dem Satz: "Die ultimative Spekulationsblase ist das Gold." Damals glaubte ihm kaum jemand. Doch 2013 trennten sich viele professionelle Anleger und Investmenthäuser im großen Stil vom Gold und schlugen Wertpapiere los, die mit physischem Gold hinterlegt sind, sogenannte Gold-Indexfonds. Der weltbekannte Untergangsprophet Nouriel Roubini, der das Platzen der amerikanischen Immobilienblase vorhersah, sowie Hedgefondsmilliardär John Paulson, der reich wurde, weil er auf das Platzen der Blase setzte, sagen: Finger weg, der Goldpreis wird wieder fallen!

Natürlich sind alle Prognosen gewagt. Aber den Goldmarkt einzuschätzen sei doppelt schwer, sagen diejenigen, die sich damit beschäftigen. "Für Aktien und Anleihen kann man ermitteln, wann sie richtig bewertet sind", wann also der Aktienkurs zum Unternehmensgewinn oder Umsatz passt, erklärt Andreas Beck vom Institut für Vermögensaufbau. "Beim Gold sind wir weit davon entfernt. Wir können nicht mehr sagen, ob 200 oder 2000 Dollar ein fairer Wert wären." Noch pointierter drückt es Dirk Baur aus, Professor für Finanzen an der Universität Sydney, der sich auf das mathematische Modellieren von Finanzmarktkrisen spezialisiert hat: "Beim Goldpreis stochern alle im Nebel." Gold ist einer der knappsten Rohstoffe der Welt und nicht beliebig vermehrbar, anders als Geld. Aber der Markt ist auch einer, der nur noch wenig vom Angebot der Goldminen bestimmt wird oder von der Nachfrage der Schmuckhändler und Großindustrie – dafür umso mehr von der Psychologie der Anleger. Die Angst vor Krisen treibt den Kurs.

Deshalb reagiert der Goldpreis mitunter schlagartig, wenn die Stimmung umschlägt – unabhängig davon, ob sich bei Fördermengen oder Verkaufszahlen etwas ändert. Zur emotionalen Komponente kommt die technische: Der Markt ist sehr klein und wird von wenigen Großanlegern wie Hedgefonds und Investmentbanken stark beeinflusst. Zudem ist er wie kaum ein anderer von Trendfolgesystemen geprägt: Rutscht der Kurs also unter eine gewisse Schwelle oder überspringt er sie, dann kaufen oder verkaufen Computer automatisch.