Er habe die "Katze noch gar nicht aus dem Sack gelassen", soll Martin Heidegger einmal seinen Freunden anvertraut haben, und seitdem durften die Philosophen rätseln. Was meinte er damit? Meinte er seine Denktagebücher, die geheimnisumwitterten schwarzen Wachshefte, die ganz zuletzt veröffentlicht werden sollten, gleichsam als Schlussstein im Gewölbe seiner philosophischen Kathedrale?

Wenn es sich so verhält, dann ist Heideggers Katze jetzt aus dem Sack. Die Schwarzen Hefte, fast 1300 Seiten stark, sind in der Welt, und auch wenn mancher Gedanke darin bekannt war: Die Hefte sind ein philosophischer Wahnsinn und in einigen Abschnitten ein Gedankenverbrechen. Es gibt nun keine Beruhigung mehr. Die treuherzige Geschichte, Heidegger habe sich nur kurz, nur für einen Wimpernschlag der Weltgeschichte, vom Faschismus verführen lassen, ist falsch. Selbst dort, wo er zu Hitler auf Distanz ging, tat er es nicht aus moralischer Empörung; er tat es, weil er sich vom Regime mehr erhofft hatte. "Aus der vollen Einsicht in die frühere Täuschung über das Wesen des Nationalsozialismus ergibt sich erst die Notwendigkeit seiner Bejahung, und zwar aus denkerischen Gründen."