Nach diesen Gläsern war ganz Europa verrückt. So zart und fein waren sie, wie von Zauberhand geschaffen die weißen Schmuckbänder in Wellen, Gittern, Spiralen oder Streifen, dass man den Glasbläsern die höchste Wertschätzung entgegenbrachte. Noch heute staunen wir über die Perfektion und den Einfallsreichtum der filigranen Linienmuster. Wie Op-Art oder Computerdesign wirken manche ihrer Raster für unsere modernen Augen.

Der Münchner Händler Georg Laue, der mit seinen Schatzkunstobjekten und opulenten Inszenierungen ganz wesentlich zur Renaissance der Kunst- und Wunderkammer am Markt beigetragen hat, präsentiert dieser Tage auf der weltweit wichtigsten Messe für alte Kunst und Antiquitäten, der Tefaf in Maastricht (14. bis 23. März 2014), eine ganze Sammlung von 41 Filigrangläsern des 16. und 17. Jahrhunderts.

Erfunden wurde das Verfahren mit den gewundenen Milchglas-Fäden kurz vor 1530 in Venedig, rasch stieg es zum luxuriösen Exportschlager auf. Kein Wunder, dass bald auch Manufakturen in Frankreich, den Niederlanden oder Böhmen à la façon de Venise produzierten – ein früher Fall von Industriespionage durch Abwerbung von Spitzenkräften. Noch nie kam eine so große Kollektion von Filigrangläsern mit einem Schlag auf den Markt wie jetzt. Georg Laue brauchte viele Jahre, um all die Stücke zusammenzutragen. Zwischen 5000 und 150.000 Euro kosten diese Traumstücke alter Handwerkskunst.

Der Autor ist stellvertretender Chefredakteur von WELTKUNST und KUNST UND AUKTIONEN