Gibt es einen gerechten Lohn? Friedrich Engels hatte da klare Vorstellungen. Die Lohnhöhe, so schrieb er 1881 in dem englischen Gewerkschaftsblatt Labour Standard, sei keine moralische Frage, sondern werde allein durch "die Wissenschaft von der politischen Ökonomie" bestimmt. Ein gerechter Tagelohn sei "unter normalen Bedingungen die Summe, die erforderlich ist, dem Arbeiter die Existenzmittel zu verschaffen, die er entsprechend dem Lebensstandard seiner Stellung und seines Landes benötigt, um sich arbeitsfähig zu erhalten und sein Geschlecht fortzupflanzen". Doch genau das erschien Engels absurd. Denn: "Der Arbeiter gibt so viel, und der Kapitalist so wenig, wie es die Natur der Übereinkunft zulässt. Das ist eine sehr sonderbare Sorte von Gerechtigkeit." In der Tat: Mindestlöhne sollten den Kapitalismus "gerechter" machen – für Engels, der den Kapitalismus ganz abschaffen wollte, musste das natürlich eine abwegige Vorstellung bleiben.