Gerade einmal vier Interessenten sind zum Infoabend gekommen. Selbst in dem kleinen Besprechungsraum im Frankfurter Hilton-Hotel wäre noch Platz für mehr – immerhin ist es die größte staatliche Universität Europas, die sich hier vorstellt. Trotzdem ist Catherine Courtney, der Repräsentantin der Open University (OU), keine Enttäuschung anzumerken.

Denn dass es kaum direkten Kontakt zwischen Studenten und Hochschule gibt, ist sogar das Markenzeichen der OU: Sie ist eine britische Fernuniversität. Die meisten Professoren bekommt kein Student je zu Gesicht, geschweige denn den Campus in Milton Keynes. Die Sekretärin mittleren Alters, die raus will aus ihrem Job, und der ITler, der ins Service Management gewechselt ist, sind also Ausnahmen. Sie sitzen immerhin Courtney gegenüber, um sich über die Möglichkeit zu informieren, einen Master of Business Administration online zu machen. Er soll ihnen als Berufserfahrenen Managementwissen vermitteln und sie so voranbringen.

Was hier noch wirkt wie eine Bewegung einzelner Interessierter und besonders Engagierter, ist ein Trend, der begonnen hat, Kreise zu ziehen. "Die Nachfrage nach Online-MBAs steigt", sagt die MBA-Expertin Rebekka Baus vom Kölner Staufenbiel-Institut. Die OU, die den Abschluss bereits seit den 1980er Jahren anbietet und derzeit knapp 500 deutsche Studenten führt, hat große Konkurrenz bekommen. Rund 70 Online-MBA-Studiengänge zählt Baus inzwischen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. In den vergangenen drei Jahren hat sich die Zahl damit fast verdoppelt. Auch renommierte internationale Hochschulen wie die spanische IE Business School oder die University of North Carolina bieten inzwischen Online-MBAs an.

Kostenlose Onlineseminare auf Bachelor- und Masterniveau, sogenannte Moocs (massive open online courses), sind unter fachlich interessierten Studenten bereits ein Klickhit. So kann jeder auf dem Laptop zum Nulltarif Vorlesungen der renommiertesten Professoren aus Harvard und Stanford folgen. Bei einem MBA-Studium geht es allerdings nicht nur um das reine Managementwissen, das erworben werden soll. Gerade auch das Renommee der Uni und die dort geknüpften Kontakte helfen beim beruflichen Aufstieg. Kann ein Studium vom Sofa aus all das ersetzen?

Carsten Krejtschi stellte sich diese Frage erst gar nicht. Ein klassisches MBA-Studium wäre für ihn weder in Voll- noch in Teilzeit infrage gekommen. Der 37-Jährige ist promovierter Physiker, sein Unternehmen produziert Wasseraufbereitungssysteme für Labore. Als er seinen MBA begann, hatte Krejtschi gerade die Leitung eines Entwicklungsteams übernommen. "Was ich mir nicht leisten konnte, war, freitags um 12 Uhr zu gehen und dann das ganze Wochenende Seminare zu haben", sagt er. Dennoch wollte er die betriebswirtschaftlichen Entscheidungen seines Unternehmens besser verstehen. Seit einem Jahr ist Krejtschi daher an der OU eingeschrieben.

Zwölf bis 16 Stunden pro Woche veranschlagt die britische Fern-Uni für Studenten, die den Abschluss in drei Jahren absolvieren wollen. In manchen Wochen schafft Krejtschi mehr, abends und am Wochenende. In anderen dafür weniger. Sich die Zeit selbst einteilen können – das ist ein großer Vorteil der Fern-MBAs. Das Studium setzt voll auf Flexibilität. Krejtschi kann sich über die Onlineplattform der OU Skripte herunterladen, im Forum mit Kommilitonen diskutieren, sich in einem Onlineklassenzimmer per Videotelefonat von Tutoren helfen lassen. Hausarbeiten lädt er hoch, Klausuren schreibt er in einem Testzentrum in Frankfurt. Im Notfall könnte er sogar dafür bezahlen, dass ein Prüfer zu ihm nach Hause kommt.