Glückliches Deutschland! Unser Maidan ist der Platz vorm Münchner Landgericht. Reporter belagern die düstere Zwingburg der Demokratie. Drinnen gesteht der Präsident des FC Bayern kapitale Steuerhinterziehung. 18,5 Millionen Euro gibt er zu, fünfmal so viel wie bis dato bekannt. Ab einer Million muss man höchstwahrscheinlich in den Knast. Das riecht nach Bewährungsstrafe, denn Bayern pflegt zu siegen.

Nun aber rasch nach Osten, gemäß dem Namen dieser Kolumne. Zur Ukraine mag ich eigentlich nicht schreiben, denn alles wird bereits gesagt, wenngleich selten in der geratenen Balance. Propaganda, das denke ich oft. Ich bin mit Propaganda aufgewachsen, mit Dämonisierung und Ideologie, mit Hetzkarikaturen der "Bonner Ultras" Kiesinger, Strauß, Brandt ..., "mit denen uns nichts, aber auch nichts verbindet", so die rituelle Formel der SED-Medien. Brandt wurde Kanzler, seine Ostpolitik brachte die Entspannung auf den Weg. Die Karikaturen verschwanden. Plötzlich verband uns doch etwas. Am Ende standen Mauerfall und deutsche Einheit, dank Gorbatschow.

Am Ende? Unserem Gorbi wurde 1990 zugesichert, die Nato werde kein ostdeutsches Gebiet besetzen. Darüber lachen heute die Hühner, aber nicht die Russen. Die Nato steht mittlerweile vor ihrer Haustür. Dringend not tut wechselseitige Vertrauensbildung. Wie wäre es mit Nato-Raketen auf der Krim und russischen Marschflugkörpern auf der Halbinsel Florida? Mir scheint nämlich wichtig, dass die Amerikaner mit im Boot sind. Noch bedeutender ist der Kommentar Erhard Epplers, des großen Seniors der Entspannungspolitik. Der Mann fürs Böse heißt seine Putin-Erklärung in der Süddeutschen vom 11. März 2014. Und damit zurück nach München.