Kennen Sie den Effekt? Spricht man ein Wort nur oft genug aus, beginnt es zunächst seine Bedeutung zu verlieren, bis es schließlich völlig nichtssagend klingt. Dann hat man den wahren Charakter des Wortes meist treffend herausgearbeitet. "Mild" ist so ein Wort, das, wie Leser Erich P. aus Berlin bemerkte, ziemlich inhaltsleer ist. Jedenfalls in Zusammenhang mit Joghurt. Joghurt ist immer "mild". Es gibt praktisch keinen Joghurtbecher, auf dem nicht "mild" steht. Wahrscheinlich wirkt "mild" wie eine phonetische Kuscheldecke und schmeichelt der Seele des Konsumenten. Harte Zeiten (und wann waren sie je härter als heute?) verlangen schließlich nach mildernden Umständen, zumindest aber nach mildernden Produkten. Wie Joghurt. Oder Kaffee. Oder Käse.

Der Duden definiert "mild" als "nicht stark gewürzt, nicht scharf" oder auch als "nicht sehr kräftig". Betriebswirtschaftlich ist das heikel. Zwar spricht das Prädikat "mild" jene Zielgruppe an, die Wert auf "mild" legt. Zugleich aber schreckt es alle anderen ab. Um potenzielle Kunden nicht zu vergraulen, kombinieren Unternehmen deshalb "mild" gern mit seinen Gegensätzen. Schwupps wird ein Cheddar-Käse "mild-würzig", Paprikas kommen als "mild-scharf" daher, und Kaffeesorten rühmen sich, "herzhaft-mild" oder "mild-kräftig" zu sein.

Auf der Packung wird dann noch was von "Festival der Sinne" gesäuselt, damit man sich gedanklich an Orte träumt, an denen man lieber wäre als im heimischen Supermarkt. Unter südlicher Sonne würde man auch nicht darüber nachdenken, ob sich "mild" und "scharf" nicht gegenseitig aufheben und "geschmacklos" eine bessere Bezeichnung wäre. Abgesehen davon, ist es freilich begrüßenswert, wenn Lebensmittel Gegensätze in sich vereinen und Grenzen überwinden. Selbst wenn es nur die Grenzen des Geschmacks sind.