Nichts ist einfacher, als eine Flasche anzureichen. "Gib mal das Bier rüber!" – "Hier, bitte." – "Danke!" Jeder kann das, sogar kleine Kinder. Es gibt aber eine Perspektive, aus der ist das unglaublich kompliziert: Die Flasche darf beim Greifen nicht zerdrückt werden, aber auch nicht wegrutschen. Geber- und Nehmerhand sollten sich begegnen, jedoch nicht zusammenstoßen. Der Geber muss mitbekommen, wann der Nehmer zufasst. Lässt er zu früh los, landet die Flasche auf dem Fußboden. Hält er zu lange fest, gibt es Gerangel.

So sieht das aus der Sicht von Robotern aus. Wären sie nur Maschinen, Roboter könnten uns nie das Wasser reichen (und Bier schon gar nicht). Autos bauen in sicher abgeschirmten Fabriken, das geht. Im Alltagskontakt mit Menschen aber wird es schnell hakelig oder gar gefährlich.

Darum geht es im jungen Forschungsfeld HRI, kurz für Human Robot Interaction. Anfang März lud das Exzellenzcluster Kognitive Interaktionstechnologie (kurz Citec) rund 300 Fachleute aus 30 Ländern nach Bielefeld. Sie forschen weniger an der technischen Perfektion von Menschmaschinen oder deren ausgeklügelter Programmierung, sondern kümmern sich um so merkwürdige Fragen wie diese: Wie bringen wir Robotern Zurückhaltung, Höflichkeit, Benimm bei? Reibungslose Kooperation? Einleuchtendes Verhalten?

Denn auch wenn uns bislang nützliche Automaten im Alltag nur als schlaue Staubsauger begegnen – der Roboter wird dem Menschen bald ganz dicht auf die Pelle rücken. Ob im Pflegeheim als Umbetter, in der Werkshalle als Kollege am Fließband oder als geduldiger Trainer. Bloß müssen uns die elektronischen Gesellen dafür verstehen, unsere Handlungen analysieren, Mienen oder Gesten interpretieren. Es müssen "soziale Roboter" sein.

Ein deutsch-französisches Forscherteam hat die Begegnung zwischen einem Roboter, der vielleicht einen Botengang erledigt, und einem Menschen studiert und fand heraus, dass ein "höflicher" Roboter einiges können muss, um Menschen weder zu verwirren noch zu verängstigen: Er muss den Minimalabstand kennen, den Menschen intuitiv einhalten. Er sollte vorhersehen, was der Mensch plant, etwa einen Schlenker, und ihm elegant ausweichen. Am erfreulichsten fanden Testpersonen Roboter, die mit Kopf und Augen ihre Absichten klarmachten.

Kaum ein Experte bezweifelt noch, dass ein "emotionaler" Roboter neben einer Stimme auch Mund und Augen braucht, um lächelnd, blinzelnd oder schmollend soziale Kompetenz vorzutäuschen. Uneinig ist man sich über die optimale Gesichtsform. Ein schwedischer Hersteller hatte seinen Furhat im Gepäck; auf seinen transparenten Kopf werden von innen naturalistische Gesichtszüge samt Mund und Nase projiziert – für manche zu perfekt. Das Gegenmodell stellt die Bielefelder Entwicklung Flobi dar: Riesenkulleraugen mit Kameras in den Pupillen und klappbaren Augenlidern, Lippen und Augenbrauen aus beweglichen Silikonwürsten, mit denen Flobi ebenso lustig wie traurig gucken kann. Demnächst soll der Comicroboter für Fremdenführungen eingesetzt werden.

Und auch das Wasser-reichen-Problem ist untersucht worden. AJung Moon, Fachfrau für HRI und Roboterethik aus Kanada, hat festgestellt, dass Roboter, die bloß die Flasche hinhalten und irgendwohin starren, ineffektiv und unbeliebt sind. Am glattesten klappt die Übergabe, wenn der Roboter zuerst mit den Augen den Übergabepunkt andeutet und dann, wenn er bereit ist, loszulassen, den menschlichen Partner anblickt. Solche kleinen Hinweise verhelfen auch Menschen zu nahtlosen Übergaben. Und auch für den Fall eines Fehlers beim Anreichen hat AJung Moon eine Strategie entwickelt: den schüchternen Rückzug.