Am Sonntag noch feierten die lokalen Kunstfreunde die Finissage ihrer Jahresausstellung bei Weißwein und einer Klangperformance. Tags darauf stehen die letzten Werke fein säuberlich in Plastikfolie verpackt auf dem Parkettboden im Erdgeschoss und warten darauf, von ihren Besitzern abgeholt zu werden:

Das Kunstmuseum Olten wird leer geräumt.

Nur vorübergehend zwar, doch was an diesem Montagnachmittag passiert, hat Symbolcharakter.

Wie viel Kultur wollen und können wir uns noch leistenOlten ging es in den vergangenen Jahren prächtig, wie den meisten Kommunen in der Schweiz. Also senkte die Stadt mit ihren 18 000 Einwohnern nach und nach, Schritt für Schritt, die Steuern – doch dann kam der Schock.

2011 verkündete der Energiekonzern Alpiq, der größte Steuerzahler: Wir machen über eine Milliarde Verlust. Der damalige Stadtpräsident glaubte, das Manna würde bald wieder fließen. Er irrte. Erst fehlten 22 Millionen, dann 30 Millionen Franken Einnahmen in der Kasse.

Im vergangenen Herbst zog das Parlament die Notbremse. Es erhöhte die Steuern um zehn Prozentpunkte und lancierte eine große Sparrunde. Alle mussten bluten: von den Sportclubs bis zum Vögeligarten-Verein.

Am härtesten aber traf es die Kultur.

Zehn Prozent ihrer Budgets müssen die drei städtischen Museen streichen. Die lokale SVP fordert in einem Postulat die "baldmöglichste Schließung des Kunstmuseums Olten bei Beibehaltung der Sammlung zu Ausleihzwecken". Und der Stadtrat lässt sogar die Schließung und Abwicklung der Häuser prüfen. Ende März wird der Bericht erwartet.

Olten wäre die erste Stadt in Europa, die ihre Kunstsammlung veräußern würde. "Nicht einmal das klamme Detroit in den USA hat das bisher gewagt", sagt Dorothee Messmer. Die 50-Jährige ist seit anderthalb Jahren Direktorin des Kunstmuseums. Eigentlich hatte man sie geholt, um endlich das seit den siebziger Jahren geplante Projekt eines Museumsneubaus zu realisieren. Die umtriebige Thurgauerin sollte das Kunstflair in die Kleinstadt am Jurasüdfuß bringen. Stattdessen steigt sie nun für ihr Museum auf die Barrikaden.