Rein äußerlich schien seine Familie intakt. Die Eltern galten als humorvoll und gesellig, später kamen zwei Geschwisterkinder dazu, auch finanziell war man versorgt. Und dennoch prägte ein Mangel seine frühen Jahre: Zwischen Mutter und Sohn gab es kein inneres Band, vermutlich waren sie einfach zu verschieden im Fühlen und Denken. Seine Beziehung zum Vater war zwar inniger; fand durch dessen Tod aber ein frühes Ende.

In den Folgejahren entpuppte er sich als Beziehungs-Vagabund. Biografen machten später die fehlende Mutterliebe als Ursache aus. Wie auch immer, das Flirten und Verführen lag ihm dank Witz, Charme und Esprit. Falls das mal nicht genügte, klimperte er ein wenig auf der Gitarre vor. Oder er tat einfach, was ihm spielerisch leicht fiel: schreiben. Viele seiner hinreißenden Briefe und Notizen an die Lebensabschnittsgefährtinnen sind überliefert; ein Verdienst jener Frau, die ihm die Wichtigste war und blieb. Sie müssen irrsinnig ineinander verknallt gewesen sein, verrät ihr Tagebuch – und auch, dass sie kommendes Leid erahnte: "Ich dachte, wie es sein würde, wenn es zwischen uns aus wäre ... ich würde frieren." Ein paar selige Monate hielt das Glück, dann kehrte er der Provinz und ihr den Rücken. Machte Karriere, genoss Ruhm, Erfolg, Bewunderung. Heiratete, hurte herum – und kehrte endlich zurück zu ihr.

Doch auch ein Aufbruch zu neuen Flussufern konnte die große Liebe nicht mehr retten. Nie fanden die beiden wieder zueinander; kaum irgendwo gelandet, suchten sie auf sein Drängen hin schon wieder ein neues Zuhause. "Als Künstler war er ein Ganzes, als Mensch ein Zerrissener." So urteilte postum einer der besten Kenner von seinem Leben und Werk. Als er ohne sie in seine Geburtsstadt zurückging, zog sie die Konsequenz: "Es war zu groß und zu schön, als es anfing, um es hässlich enden zu lassen." Immerhin, eine Reise hatten sie und er noch zusammen erlebt, eins seiner Bücher erzählt davon, mag sein das schönste. Ein Foto zeigt sie reitend auf einem Esel, und er schrieb dazu: "Auf einem Esel sitzen, Stufe vor Stufe einen Berg hinaufwackeln ... Blumen am Wege betrachten und zwei Ohren ...– auch dies ist Reisen ..." – Wer war’s?

Lösung aus Nr. 11:

Von Isabel Allende (geb. 1942), Nichte 2. Grades des chilenischen Präsidenten Salvador Allende, interviewt zu werden, bezeichnete Pablo Neruda als "Folter". Ihr Roman "Das Geisterhaus" entstand im Exil in Venezuela, in "Paula" verarbeitete sie den Tod ihrer Tochter. Sie lebt mit ihrem zweien Mann in Kalifornien