In diesem Roman unterhalten sich drei Männer, das kommt vor. Die drei aber gehen nun wirklich sehr gründlich vor. Sie dauerquasseln. Sie dampfplaudern. Sie schwätzen auf satten 640 Seiten derart unfassbar viel, dass bereits die Tatsache ihres lebensunpraktikablen Getratsches eine ästhetische Pointe darstellt. Wäre das Buch missglückt, so handelte es sich dabei um eine verkniffene Zersetzungsmaßnahme gegen Sinn und Ordnung. Wundersamerweise aber wirkt an diesem beglückenden Roman rein gar nichts verbissen. Wiedergeben lässt sich kaum, wohin sein grandioser Ideensturzbach führt. Jedes dem Textfluss entrissene Beispiel verliert schlagartig Glanz und leichthändige Einflechtung in das Gesamtpalaver. Wie bei jeder guten Form von Humor nützt es darum kaum, hier nachzuerzählen, wie einmal etwa das Monstergespräch auf die Beobachtung kommt, dass an Brandenburgs Straßen öfter mal Töpferstände aufgebaut sind. Wovon ausgehend wilde Erwägungen über die Töpfer- und Kunstbedingungen in DDR und Bundesrepublik angestellt werden. Was sogleich zur Schnapsidee einer Berliner Mauer aus Töpferton führt, um sodann das politische Konzept von "Töpferstaaten" zu umkreisen.

Von einer Spritztour durch Brandenburg zu Töpferstaaten – bereits die Anhäufung von so was soll einen Roman ergeben? Mit dieser Frage steht der Leser nicht alleine da. Sie ist dem Buch eingeschrieben. Durch sein vor höherem Blödsinn geradewegs weltentrücktes Geschlinge nämlich ackert und seufzt sich ein bedauernswerter Mann namens Olaf, dessen Pendant in der wirklichen Wirklichkeit Olaf Petersenn heißt.

Olaf ebenso wie Olaf Petersenn sind Lektoren. Petersenn arbeitet beim Verlag Kiepenheuer & Witsch, wo 2009 Verena Roßbachers bejubelter erster Roman Verlangen nach Drachen erschien. Bereits dieser war derart abgehoben und freidrehend, dass sich nun für das zweite Buch geradezu zwangsläufig die Frage stellte, was eigentlich noch alles aus radikaler Eigenständigkeit erwachsen kann. Immer wieder sitzen sich der Roman-Olaf und die in ihrem eigenen Buch auftretende Roman-Schriftstellerin gegenüber und führen Stellungskrieg um ästhetischen Wagemut. Tunlichst effizient will der liebevoll boshaft gezeichnete Olaf ein konsumierbares Manuskript zusammenkriegen. "Überraschung, Witz, Schönheit", ächzt er bloß augenverdrehend beim Durchgehen des Manuskriptes, bei solchen Stellen stets den Stift für Streichungen im Anschlag. Und seine Elevin? Die interessiert nun wirklich anderes als Konsumierbarkeit.

Denn das wabernde, zuckende, dabei stets perfekt durchsynchronisierte Riesenparlando rund um ihre drei dauerlabernden Wahlberliner entbehrt bis kurz vor Schluss nahezu jeglichen stabilisierenden Handlungsgerüsts. Stanjic, "Österreichflüchtling" und bereits aus dem Debüt weidlich bekannt, und Glaser, eine Art Medienkünstler, und Sydow, der bei fortwährender Antriebs- und Frauenlosigkeit lediglich unter Letzterer leidet, ermitteln höchstens in zweiter Linie an einem kruden detektivischen Verdacht herum, dilettieren ansonsten in Hausmusik oder fahren ziellos durch Berlin, wobei ihre Dispute an sämtlichen roten Ampeln derart ausufern, dass sich hinter ihnen hupende Autostaus bilden.

Gesprächsweise wirbelt so irgendwo zwischen Pynchon und Kapielski ein immer dichter geknüpfter Schleier von Abschweifungen und Assoziationen, Verweisen und Erfindungen, wahren Wundern und schier unmöglichen Begebenheiten vorüber. Unwichtig wird dabei zunehmend, worauf exakt die vielen selbstreferenziellen Manöver zusteuern. Wichtig ist aber, dass man dort nur vergnügt und nur zusammen ankommt. Es schwätzt sich eben schlecht allein. Ob das aber auch für das ebenfalls titelgebende "Schlachten" gilt, mit dem es schließlich eine, nun ja, fast schon ernste Bewandtnis hat? Anders als der kühle Lektoren-Roman-Olaf weiß die Erzählerin von Anfang an, dass da kaum ein Unterschied besteht: "Es kann jedes Wort so ungeheuer fleischlich werden und gefährlich." Dieser mit dem Ende dieses Romans eingelöste Anspruch rechtfertigt jeden Lektorenseufzer.