Die Sonne scheint, und die Narzissen blühen. In England erwacht der Frühling. Man kann das auch daran erkennen, dass die Royals in dieser Woche in die beschauliche Bäderstadt Cheltenham fahren. Es ist wieder Zeit für den Gold Cup, das erste wichtige Pferderennen des Jahres. Der Beginn der "königlichen Saison". So weit, so traditionell.

In diesem Jahr erleben wir am Geläuf von Cheltenham jedoch noch einen anderen Gezeitenwechsel. Sechs Jahre nach dem schrecklichen Crash in der Finanzwelt feiert die City of London ihren eigenen Frühling. Nach spektakulären Pleiten und Massenentlassungen sind die Finanzjongleure wieder obenauf. Piekfeine Londoner Investmentboutiquen treten in Cheltenham als Hauptsponsoren auf, denn Banker, Broker und Hedgefondsmanager scheffeln wieder reichlich Geld, sodass sie sich das königliche Hobby leisten und ihre eigenen Rennpferde auf die Bahn schicken können.

Weatherbys, seit 220 Jahren das Zentralregister britischer und irischer Vollblutbesitzer, zeigt, dass elf Prozent aller Eigentümer ihr Geld in der City verdienen, beinahe doppelt so viele wie 2009. Liest man diese Liste also gleichsam als Barometer der britischen Wirtschaft, dann zeigt die Nadel endlich wieder ein Hoch an. Noch erfreulicher ist, dass die Banker in den Jahren des Elends gelernt haben, über sich selbst zu lachen. Die Pferde von Richard Ricci, dem ehemaligen Boss des Investmentbanking bei Barclays, der im vergangenen Jahr zum Abschied einen Bonus von 17,4 Millionen Pfund einsteckte, haben so witzige Namen wie Champagne Fever oder Fatcatinthehat, zu Deutsch: "Geldsack mit Hut" – welche Selbstironie.

Ob man da auch hoffen darf, dass jene, die ihre Millionen in Rennpferde investieren und in ihrer Freizeit um die Wette wetten, auch begreifen, dass Kasino-Kapitalismus eigentlich nicht geht?