BMW ActiveHybrid 3

"Der sieht aber toll aus", bricht es aus meiner Frau heraus, als sie den BMW ActiveHybrid 3 zum ersten Mal sieht. Normalerweise sagt sie so was nur über Männer, die ich eindeutig in der "Es geht so"-Klasse verorte. Zweifel kommen auf. In der gewissenhaften Vorbereitung auf unsere Testfahrt habe ich gelesen, dass dieser Elektro-Benziner-Zwitter aus Bayern nicht ganz so sparsam mit Sprit umgehe wie sein etwas brummigerer Diesel-Widerpart, der BMW 330d. Eine Erfahrung an einem sonnigen Morgen im März zeigt aber: Das ist Quatsch.

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Ich komme gerade aus der Schule meiner Kinder, als ein BMW-Hybrid vergleichsweise inaktiv an mir vorbeischwebt. Er hat nicht nur, wie ich schon von Weitem erkenne, die gleiche Farbe wie mein Testwagen, sondern auch, wie ich beim Vorbeischweben sehe, dasselbe Kennzeichen. So sparsam bewegt sich der Hybrid fort, wie es kein Diesel der Welt vermag. Und als er um die nächste Ecke verschwindet, bin auch ich mir sicher: Er sieht wirklich toll aus, der ActiveHybrid 3, richtig schnittig-elegant – selbst wenn er sich auf der Ladefläche eines Abschleppwagens befindet.

Am nächsten Tag brechen wir dann auf von Prenzlauer Berg in Richtung Liepnitzsee, von Brandenburgs zahlreichen Großbadewannen jene mit dem klarsten Wasser. Den Wagen habe ich inzwischen wieder eingesammelt und über Nacht so geparkt, dass er nicht wieder einen Umzug stört. Lautlos gleiten wir dank des Elektromotors dem Stadtrand entgegen. Doch sobald wir die Autobahn erreichen, fällt mir wieder ein, dass wir ja 340 PS unter dem Hintern haben. Zuerst schaltet das Gehirn eigenständig von "öko" auf "sportlich", dann folgt ihm der rechte Fuß. Der hat genug vom Gaspedalstreicheln und tritt mal kräftig durch. Nun sitzen wir alle ein paar Zentimeter weiter hinten, den Rücken tief in die Sitze gepresst. Ob das noch öko ist, interessiert nicht mehr, jetzt, da wir mit einer Geschwindigkeit unterwegs sind, bei der schnittig-elegant aufhört, eine ästhetische Kategorie zu sein. Man beginnt es zu fühlen.

Als wir ankommen, zeigt der Bordcomputer an, dass der Normverbrauch in erster Linie eine Fantasie ist. Ein Verdacht beschleicht mich: Vielleicht gefällt der Wagen meiner Frau ja deshalb so gut, weil er gar nicht so öko ist, wie er zu sein vorgibt. Ich bin ja genauso.

Technische Daten

Motorbauart: 6-Zylinder-Benzinmotor Elektromotor
Systemleistung: 250 kW (340 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 5,3 s
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
CO2-Emission: 139 g/km
Durchschnittsverbrauch: 5,9 Liter
Basispreis: 53.000 Euro

Peter Dausend ist Redakteur im Hauptstadtbüro der ZEIT