Nichts ist umsonst in der Wirtschaft, auch der Mindestlohn nicht. Wenn die Arbeitsministerin behauptet, ein Minimum von 8,50 Euro bleibe ohne negative Effekte, macht sie sich etwas vor. Niemand sollte glauben, die neue Marke hätte keinen Preis. Wenn sie für mehr als fünf Millionen Beschäftigte im Land die Bezahlung erhöht, dann wird es einigen dadurch besser gehen – und andere werden ihren Job verlieren, weil der sich nicht mehr lohnt. Das geschieht nicht unbedingt auf dem Höhepunkt der Konjunktur, aber gewiss im nächsten Abschwung.

Vor allem aber muss man den Mindestlohn im Zusammenhang mit den schwarz-roten Rentengeschenken für Mütter und Frührentner sehen. Die sind nicht nur ein Verrat an dem gelungenen Versuch der vergangenen großen Koalition, die Lebensarbeitszeit zu verlängern. Sie sind auch teuer. Dafür sollen die Beitragszahler der Sozialversicherung aufkommen, also die Arbeitnehmer. Dabei wurde ihnen die fällige Senkung der Beiträge gerade erst verwehrt, und sicher wie das Amen in der Kirche kommt später eine Erhöhung auf sie zu.

Das heißt aber: Die heutige große Koalition ist nicht etwa in Geberlaune, sie schaufelt nur neue Lasten auf die Arbeitenden. Einen Mindestlohn mit geringeren Sozialkosten abzufedern, das wäre ökonomisch sinnvoll gewesen. Umgekehrt müsste man erst mal auf einen Mindestlohn verzichten, wenn man die Sozialbeiträge unnötig hoch hält. Die Lasten addieren sich sonst zum Jobverlust.

Es ist kaum zu glauben, dass Schwarz-Rot diesen Zusammenhang nicht sieht, schließlich waren es genau diese Parteien, die im vergangenen Jahrzehnt auf das Bitterste lernen mussten, dass Arbeit sich lohnen muss – für Arbeitnehmer genauso wie für Arbeitgeber. Deswegen wurde die Arbeit in der Bundesrepublik flexibilisiert und von Lasten befreit. Und siehe da, die Agenda 2010 und die Rentenreform von 2007 funktionierten so gut, dass Deutschland mit geringem Wachstum viele neue Jobs schaffen konnte.

Jetzt sorgt Berlin dafür, dass künftig weniger Jobs entstehen – oder mehr verloren gehen. Zum Schaden von Wohlstand und Gerechtigkeit.