Wirt zu sein ist kein einfaches Los. Nur wahre Multitalente können in diesem Job heute bestehen. Neben der gastronomischen Befähigung ist heute auch juristisches Talent notwendig, um auf die fortwährenden Änderungen in Nichtraucherschutzbestimmungen adäquat reagieren zu können. Ebenso bedarf es psychologischen Feingefühls, um mit verhaltensauffälligen Gästen zurande zu kommen. Nun gibt es eine weitere Herausforderung. Eine neue EU-Verordnung schreibt vor, dass von 2015 an Allergene auf der Speisekarte deklariert werden müssen. Dabei geht es um 14 problematische Inhaltsstoffe wie Milch, Getreide bis hin zu Sulfiten oder Lupinen. Aber reicht das, um das Wohlbefinden und die Gesundheit des Gastes zu gewährleisten? Wahrscheinlich müssten auch ganz individuelle Aversionen künftig berücksichtigt werden – nicht jedem darf Majoran oder Zimt, ganz zu schweigen von Kreuzkümmel, ohne Warnhinweis zugemutet werden. Desgleichen sollte beim Besteck geschehen. Ist da vielleicht Nickel drin oder gar noch Kupfer? Nicht zu vergessen die Inneneinrichtung des Lokals. Wie oft wird der kulinarische Genuss getrübt durch geschmacklose Polyestervorhänge. Gleichfalls wird die immer mehr um sich greifende Allergie vieler Gäste gegen stimmungsvolle Musikbeschallung stets vernachlässigt. Manch einer reagiert auf das Gedudel mit einem Hautausschlag. Kritiker meinen, die geforderte Informationsflut könnte Wirte dazu verleiten, vermehrt auf Fertigprodukte zu setzen. Unsinn! Letztendlich ergibt das eine Speisekarte, die in ihrer Fülle dem Telefonbuch oder dem Brockhaus um nichts nachsteht. Für den schnellen Hunger vielleicht ein kleines Hindernis, aber durch und durch gesundheitsbewusst. Bleibt nur die Frage, ob dieses neue sechzehnbändige Œuvre nicht neue Allergien beim Gast hervorbringt.