1 So ein Jet kann einfach verschwinden?

Dieser Gedanke lässt erschaudern. Doch der Widerspruch zwischen vernetzter Welt hier und spurlosem Verschwinden dort wird mit jedem neuen Indiz ein wenig kleiner (auch wenn die Suche selbst bis Redaktionsschluss erfolglos war).

Der Malaysia-Airlines-Flug MH370 ist ja nicht etwa von der Route abgekommen und unauffindbar verunglückt. Zumindest deutet einiges darauf hin, dass jemand mit viel Fachwissen (wohl einer der beiden Piloten) den Jet unauffindbar machen wollte. Letzter Funkspruch, Abschaltungen, präzise programmierte Kurswechsel – das Timing verrät: Die Boeing 777 ist nicht verschwunden, sie wurde entwendet. Und trotz aller Vorkehrungen schickten die Triebwerke noch siebeneinhalb Stunden nach dem Start per Satellit ein "Ping" in die vernetzte Welt. Wenig, aber ein Lebenszeichen.

2 Es gibt noch weiße Flecken?

Ja, die gibt es. So reicht das Primärradar der Luftsicherung nur rund 100 Kilometer weit, wenn es nur die Reflexion seines Radars von der Maschine empfängt. Antwortet im Flieger ein Transponder, steigt die Reichweite auf etwa 300 Kilometer. Aber weit aufs Meer hinaus können die Fluglotsen damit nicht schauen. (Wissenschaftler in Deutschland und den USA arbeiten gerade an Alternativen, um Positionsmeldungen global per Satellit verfügbar zu machen.) Militärische Radaranlagen reichen hingegen Tausende Kilometer weit. Mit dieser Technik hat die malaysische Luftwaffe einen Flieger geortet, den sie für die Boeing hält. Der womöglich letzte Radarkontakt fand anderthalb Stunden nach dem Start über der Straße von Malakka statt. Sie ist einer der am stärksten befahrenen Schifffahrtswege der Welt. Und über den Golf von Thailand führen Fernflugrouten nach Australien und Neuseeland. Die gesamte Region ist dicht bevölkert, nicht frei von Spannungen und im Norden und Nordwesten von zwei Großmächten eingerahmt, nämlich China und Indien. Im Sinne der Wachsamkeit dürften die Militärs, nicht nur die malaysischen, ein großes Interesse daran haben, weiße Flecken zu tilgen. Möglicherweise möchten sie gleichzeitig vermeiden, dass Nachbarn zu viel über ihre Aufklärungsfähigkeiten erfahren.

3 Die sagen nicht alles, was sie wissen?

Wiederholt musste sich die Regierung Malaysias mangelnde Transparenz bei der Aufklärung vorwerfen lassen. Nicht etwa von neugierigen Reportern, sondern von China. So dauerte es mehrere Tage, bis herauskam, dass Flug 370 auf den Radarschirmen des malaysischen Militärs aufgetaucht war. Und vom Lebenszeichen per Satellitenping haben nicht etwa die Ermittler in Kuala Lumpur die Öffentlichkeit unterrichtet, sondern das Wall Street Journal. Es bezog sich auf gut informierte Personen in US-Sicherheitskreisen, die nicht namentlich genannt werden wollten. Mit anderen Worten: Dieses entscheidende Detail wurde von interessierter Seite durchgestochen und erst danach offiziell bestätigt. Die Malaysier betonen, es sei doch unverantwortlich, unbestätigte Informationen zu veröffentlichen – sprich: voreilig zu viel zu sagen. (Trotz aller Vorsicht mussten die Ermittler Anfang der Woche eine ihrer Angaben revidieren.)

4 Gibt es ohne Komplott kein Happy End?

Für die Angehörigen galt tagelang das Prinzip Hoffnung, weil es immerhin keine Spuren von Trümmern gab. Luftfahrtexperten hingegen tippten praktisch unisono auf einen Absturz ins Meer. Bei einer geglückten Notwasserung wären automatische Sender an Bord des Flugzeugs und in den Rettungsinseln aktiviert worden, was nicht geschehen ist. Deshalb aber von einer unbemerkten geglückten Landung auszugehen und damit von einem möglichen Happy End für die 239 Menschen an Bord würde bedeuten, viele unplausible Annahmen zu akzeptieren. Nämlich dass Flug 370 eine Küste oder Insel anflog, ohne dabei erfasst oder zumindest erkannt zu werden. Außerdem hätte die Landung über einen längeren Zeitraum geheim gehalten werden müssen. Eine Boeing 777-200ER benötigt eine anderthalb Kilometer lange Landebahn, keine einsame Dschungelpiste. Die konkrete Maschine ist mehr als 60 Meter lang. Sie wiegt auch mit leeren Tanks noch mehr als 150 Tonnen und ist höllisch laut. Unbemerkt dürfte sie nicht zu landen sein. Denn wer so ein Manöver geheim halten wollte, müsste ein sehr umfangreiches Komplott schmieden.

5 Wird nur aus Prinzip weitergesucht?

Die Aussicht, Überlebende retten zu können, war von Anfang an schlecht und sank rapide mit jedem Tag – auch wenn das so nicht offen ausgesprochen wurde. Weitergesucht wurde schon aus Prinzip. Wenn ein großer Jet verunglückt, muss die Ursache ermittelt und ein Bericht geschrieben werden, so lautet die Regel in der zivilen Luftfahrt. Sie wurde allerdings aufgestellt, um aus jedem technischen Defekt und jedem Bedienfehler für die Zukunft zu lernen (was die Fliegerei erheblich sicherer gemacht hat). Bei einer Entführung jedoch oder einer Entwendung durch den Piloten kann man vom Flugschreiber wenig lernen. Da diese Variante für Flug 370 immer weiter ins Zentrum rückt, könnte es für die Aufklärung des Hergangs ziemlich unbedeutend sein, ob – im Lauf dieser Woche oder der nächsten Jahre – Trümmer gefunden werden.