Gartenbesitzer sind nicht gut auf ihn zu sprechen, den gewöhnlichen Löwenzahn (lat. Taraxacum sect. Ruderalia), weil das gelb blühende Unkraut ihren sorgfältig gepflegten Zierrasen oder ihre mühsam ausgeputzten Terrassenfugen verunstaltet.

Nun will der Reifenhersteller Continental gemeinsam mit Wissenschaftlern des Fraunhofer-Instituts der genügsamen Pflanze zu einem besseren Ruf verhelfen. Als Ersatz für Naturkautschuk sei die dicke Pfahlwurzel des Löwenzahns als Ausgangsmaterial für "grüne Reifen" bestens geeignet, heißt es. Selbst moderne Pkw-Reifen bestehen heute noch aus 10 bis 30 Prozent Naturkautschuk, bei Lkw-Pneus sind es sogar mehr als 40 Prozent. Der Naturkautschuk aber muss aufwendig aus Gummibäumen gewonnen werden, die in Brasilien, Malaysia oder Indonesien stehen. Nicht gerade umweltfreundlich. Zum Glück hat Conti den Löwenzahn entdeckt, das Verfahren stehe "kurz vor dem Durchbruch".

Politische Brisanz bekommt das Kraut, weil sich ausgerechnet die Unterart des russischen Löwenzahns (Taraxacum kok-sagyth) als Naturkautschukersatz bestens eigne, wie die Forscher sagen. Da kann man den Reifenfertigern in Westeuropa nur raten: Füllt die Lager mit Puste-Samen, bevor Russlands Präsident Wladimir Putin einen Löwenzahn-Ausfuhrstopp verhängt – als Revanche für westliche Sanktionen infolge der Krimkrise. Dann war’s das, Pusteblume!