Wo kann man heute noch ein Gemälde von Van Gogh kaufen? Im Messezentrum von Maastricht ist das jetzt bis zum 23. März möglich, am Stand der Londoner Galerie Dickinson hängt eine seiner Windmühlen. Schon lange hat man kein so wichtiges Werk mehr von Van Gogh in einer Galerie oder auf einer Messe gesehen. Die Windmühle stammt aus seiner Pariser Zeit, 15 Millionen Euro soll sie nun kosten. Zehn Millionen weniger als das Gemälde von Francis Bacon, das nur einige Schritte entfernt davon hängt.

Auch wenn die auf dem Markt verfügbare, nicht in dauerhafte Sammlungen eingegangene Kunst immer rarer wird, in Maastricht wird man fündig. Noch immer ist The European Art Fair (Tefaf) der weltweit wichtigste Handelsplatz für alte Kunst und Antiquitäten, 275 prominente Händler präsentieren hier elf Tage lang ihre Schätze. Und deshalb besuchen diese Messe nicht nur Privatsammler, es kommen auch Museumsleute zum Einkaufen und Schauen. Kuratoren der großen Museen aus Wien, Amsterdam, Boston und New York treffen sich auf den mit Tausenden von Blumen geschmückten Gängen der Messe.

Er habe zwei Objekte gesehen, die man gerne für die Sammlung ankaufen möchte, sagte Max Hollein, der Direktor des Frankfurter Städels beim Rundgang am Eröffnungstag – welche, verriet er lieber nicht. Meist können Museen wegen ihrer komplexen Entscheidungsverfahren nicht kurzfristig zugreifen, sie müssen also hoffen, dass die Händler Reservierungen annehmen oder die ersehnten Stücke während der Messe nicht verkauft werden. Nach dem Ende der Tefaf lassen sich dann auch leichter Rabatte aushandeln.

Es gibt auf der Tefaf Antiken aus dem alten Rom und Ägypten zu kaufen, Schmuck aus der Schweiz und gotische Schnitzereien am Stand der Bamberger Kunsthandlung Senger. Berühmt aber ist die Messe für ihr Angebot an Gemälden, Tausende werden hier ausgestellt, auch Abstraktionen von Gerhard Richter und Lucio Fontana und vor allem die Werke der sogenannten Altmeister. So kann man hier einige Vergleiche anstellen, etwa zwischen etlichen Bildern aus der Werkstatt Cranach.

Die Gegenwartskunst wird immer teurer, die alte Kunst stagniert

Die Galerie Weiss aus London hat gleich zwei Gemälde, die Lucas Cranach dem Jüngeren zugeschrieben werden: Auf dem einen ruht eine nackte, nur sehr transparent verschleierte Nymphe an einer Quelle, nahe ihren Füßen picken ganz unschuldig zwei Rebhühner im Gras. Mindestens elf andere Versionen dieser Quellnymphe sind aus der Werkstatt Cranach bekannt. Das jetzt für 3,9 Millionen Euro angepriesene Exemplar soll sich seit 1932 in der Sammlung einer Pariser Familie befunden haben. 2011 wurde es für einen Schätzpreis von drei bis vier Millionen Euro vom Pariser Auktionshaus Audap & Mirabaud angeboten, damals wollte es aber niemand ersteigern. Vermutlich, weil das Auktionshaus das Gemälde Lucas Cranach dem Älteren zuschrieb – und es berechtigte Zweifel an dieser Zuschreibung gab. Die Galerie Weiss kaufte das Bild später den französischen Besitzern ab, forschte weiter und glaubt nun, dass Vater Cranach zwar wohl das Gesicht der Quellnymphe gemalt habe, der Sohn aber den Körper und die detailreiche Landschaft im Hintergrund vollendete.

Bereits am ersten Messetag konnte die Galerie Weiss ihr zweites Cranach-Gemälde für rund zwei Millionen Euro verkaufen: Auf der 76 mal 56 Zentimeter großen Tafel setzt die tugendhafte, nur mit rotem Halsschmuck und wiederum einem Hauch von einem Schleier bekleidete Lucretia den Dolch an ihre nackte Brust. Man habe das Bild kompliziert restaurieren müssen, sagt die Galeriedirektorin, so tief seien die Farben unter einer alten Firnisschicht begraben gewesen.

Noch viel öfter als die Lucretia und die Quellnymphen malten die Cranachs den Wittenberger Freund Martin Luther. Am Stand der Pariser Galerie De Jonckheere hat man die Wahl zwischen einem Porträt des streng blickenden Reformators in jungen Jahren und einem Bild von Luther in fortgeschrittenem Alter mit weicheren Gesichtszügen. Die Pariser Galerie hat zudem eine Version des Christus segnet die Kinder von Cranach dem Jüngeren im Angebot (Preis: 2,5 Millionen Euro). Sie reicht zwar nicht ganz an den malerischen Reiz der in Naumburg hängenden, vom Vater gemalten Variante heran, aber immerhin, die Anzahl der dargestellten Babys – neun Stück! – ist gleich groß.

Vergleiche kann man auf der Tefaf auch zum blumigen Frühwerk Piet Mondrians anstellen. Die Londoner Galerie Richard Nagy zeigt eine recht brave, ganz und gar nicht geometrisch-eckig gemalte Chrysantheme vor orangefarbenem Grund von 1909. Interessanter in Komposition und Malweise ist da die ebenfalls um 1909 entstandene Riesen-Steppenkerze (74 mal 99 Zentimeter) am Stand der Galerie Thomas Salis (Salzburg): Die Blüte schlängelt sich wie hingeworfen über die obere Hälfte des Kartons, der Rest des Bildes ist ein impressionistisches Wabern aus blauen Strichen und Tupfern. Die vom Format her kleinere Chrysantheme kostet bei Nagy 2,5 Millionen Euro, Salis verlangt für die Riesen-Steppenkerze vergleichbar günstige 1,55 Millionen Euro.

Gut 47 Milliarden Euro wurden 2013 weltweit für Kunst ausgegeben

Auf insgesamt rund vier Milliarden Euro wird der Wert aller dieses Jahr auf der Tefaf gezeigten Objekte geschätzt – die Leitung der Messe liebt solche Zahlen. Und aus Liebe zu den Zahlen lässt die Tefaf jedes Jahr auch einen aufwendigen Art Market Report von der Kulturökonomin und Analystin Clare McAndrew erstellen. Die Angaben des Reports sind aufgrund der Intransparenz des Kunstmarkts nicht wirklich belastbar, doch sie geben ein interessantes Stimmungsbild ab. So wurden im Jahr 2013 weltweit geschätzte 47,4 Milliarden Euro für Kunst und Antiquitäten ausgegeben – das sind acht Prozent mehr als im Jahr zuvor und nur ein paar Hundert Millionen weniger als im Rekordjahr 2007.