Seit fünf Jahren umkreist die Nasa-Sonde Lunar Reconnaissance Orbiter den Mond und liefert hochaufgelöste Bilder der gesamten Oberfläche, darunter zahlreiche Aufnahmen von den sechs Apollo-Landestellen. Mit diesen Fotografien blickt die Generation Google Earth zurück in die siebziger Jahre, als der Erdtrabant von sehr menschlicher Ambition entzaubert wurde. Vertraute Details sind zu erkennen: die Spuren des Mond-Buggys, der bei Apollo 15 (1971) erstmals zum Einsatz kam, die Landefähre Falcon, als dunkle Linien sichtbare Fußabdrücke der Astronauten. Auch im Mondstaub verbliebene Fotoapparate. Sieht so das Ende einer weiten Reise aus? Nicht unbedingt.

Insgesamt 13 umgerüstete Hasselblad 500 Electric Data Cameras (HEDC) wurden bei den Apollo-Missionen 11 bis 17 für Aufnahmen von der Mondoberfläche verwendet: Wunderwerke an Robustheit, die enormen Belastungen ausgesetzt waren, mit dicken Druckhandschuhen einfach zu bedienen, leicht und schlank, denn die Nasa achtete penibel darauf, keinen unnötigen Ballast mit an Bord zu nehmen. So sollten die Astronauten lediglich die Filmmagazine zur Erde zurückbringen und statt unnützer Apparate Mondgestein laden. Doch es gab Ausnahmen wie die HEDC des Apollo-15-Piloten Jim Irwin. Da das Gerät mit der Nasa-Seriennummer 1038 während des Außenbordeinsatzes nicht funktionierte, wurde es zur genaueren Inspektion wieder vollständig eingepackt. Dieses Exemplar ist eines von zwei, möglicherweise drei Apollo-Heimkehrern und das einzige, welches seinen Weg in den Sammlermarkt fand.

Zuletzt wechselte es 2012 bei RR Auction in New Hampshire für 42.700 Dollar den Besitzer, der Käufer war der französische Hasselblad-Bewunderer Alain Lazzarini. Zuvor hatte er als Hommage an die abenteuerliche Weltraumkarriere des schwedischen Apparats das Buch Hasselblad and the Moon geschrieben.

Am 22. März wird die internationale Fotoszene wieder auf die Mondkamera blicken: Mit einer Taxe von 150.000 bis 200.000 Euro angekündigt, ist sie das Starlos der nächsten Photographica-Auktion bei WestLicht in Wien. Und auf diese Weise fällt auch ein bisschen Sternenstaub auf eine Kunstmarktnische, die weit mehr ist als das Ersatzteillager der Fotografiegeschichte.

Die Bilder, die die Raumfahrer unter Extrembedingungen aufnahmen, sind tief im kollektiven Gedächtnis der Menschheit verankert. Es sind perfekte, mächtige Fotografien. Schon deshalb haben Skeptiker immer an ihrer Wahrhaftigkeit gezweifelt. Auch gegenüber Nummer 1038 existieren Vorbehalte. Als Beleg für die Echtheit führt WestLicht-Chef Peter Coeln daher das Réseau der Kamera an. Dieses unmittelbar vor der Filmebene angebrachte Glasplättchen ist mit Gitterkreuzen sowie der Zahl 38 versehen. "Auf allen Fotos, die Irwin auf dem Mond geschossen hat, sind diese Fadenkreuze und die 38 mit abgelichtet."

Eine Leica für 100 000 Euro? Das ist doch fast schon günstig

Weil ihre Bilder auf Anhieb glücken mussten, hatten die Astronauten jeden Handgriff an den Hasselblads monatelang geübt. Sie lernten, die auf Brusthöhe an den Raumanzügen befestigten Kameras zu bedienen, ohne durch einen Sucher zu schauen. Ihnen war bewusst, dass diese Aufnahmen zu den wichtigsten der Geschichte zählen würden. Einige davon gelangen jetzt ebenfalls zur Auktion.

Immer schon haben technische Innovationen die Fotografie vorangetrieben. Ohne seine Leica zum Beispiel hätte sich Henri Cartier-Bresson wohl schwergetan mit dem moment décisif, der kein zweites Mal passiert und es dem scharfen Beobachter ermöglicht, aus einem Sekundenbruchteil ein vollkommenes Bild zu schaffen. Die Leica erlöste die Fotografen vom umständlichen Hantieren mit schweren Plattenkameras. Sie ebnete den Weg für eine künstlerische Avantgarde mit ihren gekippten Blickwinkeln, Untersichten, Vogelperspektiven. Und sie erzeugte einen neuen Berufsstand: den des Bildjournalisten. Von keinem anderen Apparat wurde die Fotografie derart nachhaltig beeinflusst.

Kein Wunder, dass die teuerste Vintage-Kamera der Welt eine Leica ist. Den Rekordpreis von 2,16 Millionen Euro erzielte eine 1923 zu Testzwecken hergestellte Vorserien-Leica. Nur 25 Exemplare wurden davon gefertigt, bevor die Serienproduktion 1925 Fahrt aufnahm.

Stärker noch als die Vorkriegsmodelle wecken die von 1954 an entwickelten M-Kameras (M für Messsucher) Begehrlichkeiten unter den Leica-Enthusiasten. Vor allem das schwarz lackierte Sondermodell MP aus den Jahren 1956 und 1957 begeistert viele Sammler. "Es wurde ausschließlich an Berufsfotografen geliefert, darunter einige Magnum-Mitglieder. Leider gingen von den wenigen Hundert produzierten Exemplaren viele im Kriegseinsatz verloren", erklärt Coeln. Mit diesem feinmechanischen Wunderding kann WestLicht in der kommenden Auktion zwar nicht aufwarten. Doch veranschaulicht ein Set von vier seltenen M6 aus den frühen Achtzigern (80 000 bis 100.000 Euro) die Entwicklung der Reihe vom ersten Holz-Designmodell bis zum funktionierenden Prototyp.

Sind die technikaffinen Photographica-Sammler empfänglich für den Sog eines großen Namens? Berühmte Erstbesitzer wie René Burri, Magnum-Kollege Paul Fusco oder Kriegsjournalist David Douglas Duncan wirkten sich vielleicht mit einem Plus von 20 Prozent auf den Preis aus, sagt Coeln. Generell sei die Rarität einer Kamera entscheidend und die Provenienz zweitrangig.