Fast schien es, als habe es den Grünen die Sprache verschlagen. Nach dem ernüchternden Ergebnis der letzten Bundestagswahl hatte die Partei sich in die Depression zurückgezogen. Man werde sich künftig sowohl in Richtung Rot-Rot-Grün als auch in Richtung Schwarz-Grün bewegen – also gar nicht.

Da triumphierte der Volksaufstand in der Ukraine, und russische Truppen marschierten auf der Krim ein. In der Debatte im Bundestag war die Partei plötzlich wieder ganz bei sich: antiautoritär, Maidan-erfahren und entschlossen, sich dem Putinschen Muskelspiel nicht geschlagen zu geben.

Die Linke dagegen stellt sich selbst ein Bein. Ohne groß nachzudenken, präsentiert sie sich als 5. Kolonne Moskaus, wie zu Zeiten der sozialistischen Brudervölker – dabei irgendwie übersehend, dass da weder Sozialismus noch Brüder sind, sondern Homophobie, Brachialkapitalismus und Demokratieverachtung in allen Lebenslagen. Gregor Gysi mag immer noch glauben, dass Putin mit seiner Klage über den Untergang des Sowjetreichs den Kommunismus meint. Die Grüne Katrin Göring-Eckardt weiß es besser: Nur vom Imperium ist die Rede.

Man muss sich nur vorstellen, die SPD, Grüne und Linke regierten jetzt gemeinsam. Die Linke würde darauf bestehen, den Aufstand in der Ukraine Faschismus zu nennen und Putins eisernen Griff nach der Krim als eine vielleicht unschöne, aber doch plausible Reaktion auf westlichen Imperialismus betrachten.

Vor allem würde die Linke darauf bestehen, die historische Leistung der ersten rot-grünen Koalition – die humanitäre Intervention im Kosovo – als Ursünde zu brandmarken, die das Schreckgespenst des Putinschen Zarenreichs überhaupt erst ins Leben gerufen habe.

Man hat sich inzwischen daran gewöhnt, dass es viele Sozialdemokraten gibt, von Erhard Eppler bis Günter Verheugen, die sich dieser bizarren Umdeutung anschließen – sei es aus Antiamerikanismus, diffusem deutschen Schuldgefühl oder der Vorstellung, man sei es der eigenen Ostpolitik schuldig, auch dann noch bei der Annäherung zu bleiben, wenn von einem Wandel schon lange keine Rede mehr sein kann.

Aber dass linke Grüne – von Antje Vollmer bis Robert Zion – sich ebenfalls zu dieser Form von Selbstanklage plus Leisetreterei gegenüber Putin bereitfinden, das zeigte einmal mehr, was von einem rot-rot-grünen Bündnis zu erwarten wäre. Es bringt das Schlechteste in allen Beteiligten hervor.