Das Schicksal des Westens entscheidet sich auch in der Innenstadt von München. Als die EU am vergangenen Montag damit begann, die Konten von 21 russischen Politikern und Militärs zu sperren, machte sich dort gut ein Dutzend Bundesbanker an die Arbeit. Die Spezialeinheit stellt sicher, dass von den deutschen Konten der Betroffenen kein Geld mehr abgehoben werden kann. Alle Geschäftsbanken mussten die entsprechenden Kontakte offenlegen. Nun überwachen die Bundesbanker die Kontobewegungen.

Es sieht so aus, als würden der Westen und Russland wieder auf ein frostiges Gegeneinander zusteuern. Nur dass diesmal keine Raketen in Stellung gebracht werden, sondern Kontensperrungen, Einreiseverbote, die Beschlagnahmung von Eigentum. An diesem Donnerstag treffen sich die Staats- und Regierungschefs der EU in Brüssel, um härtere Sanktionen zu beraten.

Es gehört zur politischen Logik solcher Maßnahmen, dass man sie androht, um sie nicht unbedingt anwenden zu müssen. Aber was, wenn diese Logik versagt, wenn sich der Konflikt zwischen dem Westen und Russland ungehindert verschärft? Dann droht eine Eskalation, die auch den Mitgliedsstaaten der EU wirtschaftlich schaden würde, allen voran Deutschland. Die Frage ist daher: Wie weit wird die Bundesregierung wirklich gehen?

Die bisherigen Sanktionen jedenfalls dürften weder der russischen Wirtschaft ernsthaften Schaden zufügen noch die Elite in Moskau zum Umdenken bewegen, allein schon deshalb, weil ein Teil des russischen Auslandsvermögens bereits in Sicherheit gebracht wurde. So sind von einem Konto der Notenbank Federal Reserve in New York am vergangenen Freitag amerikanische Staatsanleihen im Wert von 105 Milliarden Dollar abgezogen worden. Banker nehmen an, dass es sich um russisches Geld handelt, dass nach Asien oder Lateinamerika verschoben wurde.

Deshalb arbeitet die Bundesregierung unter Federführung des Auswärtigen Amts mit den Partnern in Europa bereits an der nächsten Sanktionsstufe. Zunächst einmal würden die Bankkonten weiterer Personen aus dem Umfeld Putins gesperrt. Im nächsten Schritt könnte dann der Handel eingeschränkt, Russland finanziell isoliert und aus internationalen Gremien ausgeschlossen werden.

Die Krim sei bereits verloren, heißt es in Diplomatenkreisen, umfassende Sanktionen sollen erst beschlossen werden, wenn Russland sich auch den Osten der Ukraine einverleibt.

Doch das hat die Kanzlerin nicht alleine in der Hand. Die Hardliner im amerikanischen Kongress beispielsweise wollen russische Banken auf die schwarze Liste setzen.

Dann müssten deutsche und europäische Kreditinstitute ihre Geschäfte mit russischen Geldhäusern einstellen, wollen sie nicht den Zugang zum US-Kapitalmarkt verlieren, und der ist für sie lebenswichtig.

In Moskau wird unterdessen gerätselt, inwieweit Wladimir Putin solche Sanktionsrisiken wirklich einkalkuliert hat. Oder ob die Wirtschaft für ihn zweitrangig ist und ein Sanktionsregime bloß ein Kollateralschaden, weil es dem Präsidenten und seinen Vertrauten allein um Geopolitik geht.