1 Vom Säugling bis zum Altersheimbewohner: 3.400 Kilometer legen wir Schweizer im Schnitt pro Jahr im Flugzeug zurück. Einen Flug nach Havanna kaufen wir wie ein Postautobillett nach Zimmerwald – en passant. Kein Wunder, zählten die drei größten Schweizer Flughäfen letztes Jahr mehr Passagiere als je zuvor: 25 Millionen in Zürich, 14,4 Millionen in Genf, 5,8 Millionen in Basel-Mühlhausen. Eine Trendwende ist nicht in Sicht, den tiefen Ölpreisen sei Dank. Und was ist mit dem ökologischen Fußabdruck? Über ihn sprechen wir, wenn wir aus der Karibik zurück sind und unseren Freunden, den Öko-Fundis, die sich nur alle fünf Jahre einen Flug gönnen, die Ferienfotos zeigen.

2 Den Gürtel enger schnallen? Nicht, wenn es um das eigene Wohnen geht. Lichtdurchflutet muss das Wohnzimmer sein, großzügig die offene Küche, weitläufig die Leere im Gang. Dass wir dafür immer mehr Raum beanspruchen, kümmert uns nur, wenn in einer Diskussionen wieder einmal vom "Dichtestress" die Rede ist. Entspannung finden wir daheim, auf unseren 44 Quadratmetern. So viel braucht der durchschnittliche Schweizer – vor zehn Jahren reichten uns noch 39.

3 Maßlos werden Herr und Frau Schweizer, wenn es um ihre Lebensmittel geht. Einkaufen, in den Kühlschrank legen, vergammeln lassen – ab in den Abfall. Vieles kommt in Läden aber gar nicht erst ins Verkaufsregal. Etwa Gemüse, das zu klein oder nicht makellos gewachsen ist. Die UN-Welternährungsorganisation schätzt, dass in der Schweiz jedes Jahr 250.000 Tonnen Nahrungsmittel im Müll landen. Das entspricht einem Drittel der hier produzierten Waren. Höchste Ansprüche auf allen Seiten führen dazu, dass nur Perfektes auf den Tisch kommt.

4 Unsere Gesundheit ist uns heilig. 2012 kostete jede in einer Krankenkasse versicherte Person 3.259 Franken. So viel wie noch nie. Die Kosten verursacht nicht nur das Schicksal, sondern verantworten auch wir selber. Wir gehen lieber zum Spezialisten als zum Hausarzt und holen ein Zweitgutachten ein, wenn uns das erste nicht passt. Kein MRI, kein Röntgenbild ist uns zu viel – und der Entscheid, ob sich die Chemotherapie für den schwer kranken Vater noch lohnt, fällen wir nicht mit dem Portemonnaie. Für die bestmögliche Versorgung zahlen wir ein Leben lang unsere teuren Prämien.

5 Des Schweizers liebstes Fahrzeug ist das Auto, am besten mit gebirgstauglichem Allradantrieb. Innerhalb von 30 Jahren hat sich die Zahl der Personenwagen verdoppelt auf heute 4,3 Millionen. In einem Drittel der Haushalte stehen zwei oder mehr Autos, nur jeder Fünfte kommt ohne aus. Und weil wir immer häufiger und immer weiter auf unseren vier Rädern unterwegs sind, stehen wir immer mehr im Stau. Fast 20.000 Stunden verbrachten die Schweizer Autofahrer 2012 Stoßstange an Stoßstange; doppelt so viel wie noch vier Jahre zuvor.

6 Und alles, was wir haben, ist derart teuer, von der mechanischen Uhr über das massive Eichenparkett bis zum neusten iPhone, dass wir aus lauter Angst, all das zu verlieren, das bestversicherte Land der Welt sind: 7.000 Franken pro Kopf und Jahr ist uns diese Rundumsicherheit wert.