Es stimmt, dass nur sehr wenige Menschen von Haien getötet werden – meist nicht mehr als zehn pro Jahr weltweit. Es ist auch richtig, dass Kokosnüsse schwerwiegende Verletzungen verursachen können, wenn sie von Palmen fallen. Im Extremfall stirbt das Opfer.

Aber die Zahl von 150 Kokosnuss-Toten im Jahr, die man immer wieder lesen kann (leider auch einmal in der ZEIT), ist völlig aus der Luft gegriffen. Die Opfer werden nirgends registriert, und ihre Zahl ist wohl viel zu hoch angesetzt.

Die Legende lässt sich recht lückenlos zurückverfolgen: Im Jahr 1984 erschien in der Zeitschrift Journal of Trauma ein Artikel des Arztes Peter Barss mit dem Titel Injuries Due to Falling Coconuts. Barss praktizierte in einem Provinzkrankenhaus in Papua-Neuguinea und konnte tatsächlich von einigen schlimmen Verletzungen berichten, von zwei Todesfällen hatte er lediglich gehört. In seiner Arbeit berechnete er außerdem die Wucht, mit der eine fallende Nuss auf den Schädel prallt.

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Barss’ Artikel (für den er den berüchtigten Ig-Nobelpreis erhielt) wurde dann Anfang des Jahrtausends in der Pressemitteilung eines britischen Reiseversicherers erwähnt – und darin war auch zum ersten Mal die Rede von 150 Todesfällen im Jahr. Vielleicht hatte jemand eine naive Hochrechnung angestellt. Haischützer griffen diese Fantasiezahl auf, und seitdem ist sie nicht mehr aus der Welt zu bekommen.

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