Dass sich Männer und Frauen einfach nicht verstehen können, ist eine jahrtausendealte Weisheit, und Tahar Ben Jelloun ist dem mindestens noch einmal tausend Jahre voraus. Er weiß zeitlos Bescheid. Deswegen ist der Held seines Romans ein Künstler. Künstler sind begnadet, das ist überall so, ob in Afrika, in Japan, in Brasilien oder in Zentraleuropa, den Hang zum Künstler haben wir alle. Aber wir können nie sicher sein, ob es wirklich etwas wird: "Ein Künstler kann sich nicht in Gewissheit sonnen." Am schlagartigsten wird das im Umgang mit Frauen klar.

Unser Künstler ist ein Maler. Da ist es immer gut, wenn etwas Exotisches hineinspielt, die Szene schwankt also hin und her zwischen Paris und dem marokkanischen Fes. Bald ist der Maler weltberühmt und hat einen tollen "hyperrealistischen" Stil. Schnell "spürt" er dann, "dass sein Werk in eine neue Phase eintritt". Gleichzeitig sucht ihn aber das Verhängnis heim: eine hinreißende, rassige junge Frau aus den Abgründen des Atlasgebirges. Ein intensiv fühlender, sensibler und kreativer Mann ist da natürlich der Schönheit und dem Sinnlichen schonungslos ausgeliefert. Wilde braune Locken, wilde braune Haut. Sie wohnen zusammen in Paris. Aber sie kommt halt aus dem afrikanischen Dorf, aus der Unterschicht, und sie ist eine Hexe. Hier bricht ein Klassengegensatz aus. Der Bohemien verträgt sich nicht mit den ehernen Gesetzen des Archaischen. Kunst gegen Natur: Da muss der Mann scheitern. Er kriegt deswegen auch einen Schlaganfall.

Eheglück, dieser Titel ist ein einziger Sarkasmus. Aber was will man machen? Eigentlich fallen dem Künstler die Frauen nur so zu, doch zu Hause herrscht dieses furchtbare Realitätsprinzip, das ihm die Hölle heiß macht. Gott sei Dank gibt es eine Zeit lang die Krankenpflegerin, die sich trotz seines Schlaganfalls schnurstracks in ihn verliebt, zärtlich und verständnisvoll ist und sogar Geschichten wie aus Tausendundeiner Nacht erzählt. Im Grunde will sie sich ihm ganz hingeben, und einmal tut sie es auch: zum Abschied, weil sie nämlich mit ihrem Verlobten nach Brüssel zieht. Das ist Schicksal.

Tahar Ben Jelloun ist ein ernst zu nehmender Schriftsteller, und deswegen hat er sich ein hübsches formales Spiel ausgedacht. In Teil eins wird aus der Perspektive des Künstlers erzählt, da befinden wir uns in der großen, weiten Welt, in der Namen wie Anselm Kiefer und Antonio Tabucchi fallen und in der wir alle Coffee-Table-Book-mäßig schwelgen, aber die Ehefrau steht halt für die Ausweglosigkeiten unserer Existenz. In Teil zwei jedoch, das ist die überraschende Volte, erleben wir das Ganze aus der Perspektive der Ehefrau selbst. Zunächst scheint das als großer Coup konzipiert, in der Art: Sie hat aus ihrer Sicht ja auch recht. Aber irgendwie bringt der Autor das nicht über sich. Die Frau enttarnt sich in ihren kruden Manövern selbst. Sie ist böse. Und der Künstler ist ihr ausgeliefert. Rituelle Weiblichkeitsséancen und eruptiv wirkende Kräutermixturen tun ihr Übriges. Dieses Buch spielt weder in Marokko noch in Paris, es spielt in einem Globalisierungs-Kitsch-Nirwana, wo etwas ungreifbar Magisches waltet und der Yogi-Tee immer bereitsteht. Und seine Botschaft tröstet allemal: Mann bleibt Mann, und Frau bleibt Frau.