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In England kann man nicht ins Pub gehen und keinen Alkohol trinken. Es geht schon, aber es gibt Sprüche, wenn man so an seinem Ginger Ale nippt oder seinem Wasser. Ein alkoholfreies Bier jedenfalls gehört selbst in den englischen Pubs, die stolz sind auf ihre Bierauswahl, nicht zum Repertoire. In Deutschland gibt es mindestens ein alkoholfreies Bier, selbst wenn nur drei Biere auf der Karte stehen. Und es wird, das ist der wahre Fortschritt, inzwischen ohne jeden Spott vom Personal serviert.

In den Anfangsjahren des alkoholfreien Biers gab es dieses nur in sehr auffälligen, stigmatisierenden Flaschen (die Banderole von Clausthaler war auffällig weiß, man hätte es höchstens mit Berliner Kindl verwechseln können) oder in auffälligen Gläsern der Weizenbrauereien, die glaubten, ihr Alkoholfreies bekannter machen zu müssen, indem sie es in Gläsern servierten, auf denen in Orange "alkoholfrei" stand oder Sportler abgebildet waren. Heute bietet fast jede Brauerei ein Alkoholfreies an, das sich äußerlich nur noch in Nuancen von der Alkoholvariante unterscheidet. Beim Beck’s ist es beispielsweise ein blauer Ring statt eines roten um den Schriftzug, alles andere ist gleich. Auch geschmacklich wurden in der Brautechnik Fortschritte erzielt, viele Pilssorten schmecken alkoholfrei ganz ordentlich, manche Weizensorten sogar sehr gut.

Früher gab es jede Menge Situationen für den Mann, privat wie beruflich, da musste er Alkohol trinken, ob er wollte oder nicht. So wurde der Mann rund und vielleicht auch krank, und ob er wirklich mehr Spaß hatte, darf bezweifelt werden. Das Beste am alkoholfreien Bier (das praktisch überall verfügbar ist) ist, dass die Entscheidung, sich einen anzutrinken, fortan eine freiwillige ist.