Die Euro-Krise bringt nicht nur Verlierer hervor, sie hat auch Gewinner. Nein, wir reden hier nicht von Londoner Maklern für Luxusimmobilien der Art, wie sie sich nur griechische Reeder leisten können. Auch nicht von deutschen mittelständischen Ingenieurbetrieben, die sich über fleißige und flexible spanische Neuzugänge freuen können. Sondern von Müttern.

Der größte Wunsch von Müttern ist bekanntlich, Kinder erst zu bekommen und sie dann möglichst lang bei sich zu behalten. Sie zu bekochen, ihnen die Wäsche zu waschen und sie daran zu erinnern, sich beim Rausgehen warm anzuziehen. Diese Mutterliebe ist gegenüber Söhnen besonders ausgeprägt, ein österreichischer Psychoanalytiker hat mal erklärt, warum. Leider hat es in Europa eine jugendliche Emanzipationsbewegung gegeben, die dazu geführt hat, dass viele Söhne und Töchter bei der ersten Gelegenheit ausziehen. Die Euro-Krise hat diesem Treiben nun ein Ende gesetzt.

Fast die Hälfte der 18- bis 29-jährigen Europäer wohnt noch zu Hause, fand eine repräsentative, länderübergreifende EU-Studie gerade heraus. Die meisten Nesthocker leben auf Malta, in Italien und Ungarn; die wenigsten in Finnland, Dänemark, Österreich und Deutschland. Als Gründe führen die Forscher an, dass die jungen Menschen keinen Job und daher kein Geld für eine eigene Wohnung hätten. Aber uns scheint, dass da noch etwas Tieferes, Emotionaleres eine Rolle spielt: das, wovon dieser Österreicher gesprochen hat.

Auffällig ist, dass in der Gruppe der 18- bis 24-jährigen Männer besonders viele bei ihren Eltern leben: 68 Prozent. Das mag für Mama sehr erfreulich sein, produziert aber auch Verlierer. Nein, wir reden nicht von den Kumpels, die trotz allem zum Fußballgucken vorbeikommen (und gleich mit bekocht werden). Auch nicht vom Vater, der sich die weibliche Fürsorge (also die Ermahnungen) mit seinem Sohn oder seinen Söhnen teilen muss. Sondern von der Freundin.

Welche junge Frau will schon mit einem jungen Mann ausgehen, der zwar ein eigenes Bett hat, aber kein eigenes Bad? Wer will sich schon morgens beim Frühstückstisch die schwiegermütterlichen Fragen anhören, wie es denn jetzt mit dem Studium, der Jobsuche und der Zukunft im Allgemeinen aussehe? Die Folgen der Euro-Krise, stellten die Forscher fest, schwächten das Selbstbewusstsein der Jungen. Dem Sex-Appeal tun sie sicherlich auch nicht gut. Die Daheimwohner werden das nicht gut finden. Die Mamas hingegen könnte es freuen.