Im Koalitionsvertrag steht viel Zweifelhaftes. Das Folgende gehört nicht dazu: "Wir wollen den Anteil weiblicher Führungskräfte in Deutschland erhöhen. Deshalb werden wir zu Beginn der 18. Wahlperiode des Deutschen Bundestages Geschlechterquoten in Vorständen und Aufsichtsräten in Unternehmen gesetzlich einführen. Aufsichtsräte von mitbestimmungspflichtigen und börsenorientierten Unternehmen, die ab dem Jahr 2016 neu besetzt werden, sollen eine Geschlechterquote von mindestens 30 Prozent ausweisen."

Das ist klar. Es ist einfach. Und es ist richtig: Wenn die Konzerne ihre Aufsichtsräte vom übernächsten Jahr an neu formieren, dann bitte mit mindestens dreißig Prozent Frauen. Und auch für die Vorstände sollten sie Gleichstellungsziele benennen.

Zu lange haben die Männer in der Deutschland AG die Top-Posten unter sich aufgeteilt. Alle Warnungen, wenn sie keine Einsicht zeigten, müsse der Gesetzgeber einschreiten, verhallten ohne nachhaltige Folgen. Doch die Wirtschaft braucht Vielfalt auf allen Ebenen, auch in der Führung. Aus Fairness gegenüber den ebenbürtig ausgebildeten Frauen – und vor allem, weil erst die Vielfalt der Wahrnehmungen und Führungsstile an der Spitze dafür sorgt, dass sich Unternehmen bei Kunden und Mitarbeitern für beide Geschlechter attraktiv machen.

Mehr Vorwarnung als im Koalitionsvertrag geht also nicht. Doch kaum ist der "Beginn der Wahlperiode" fast vorbei, schon sind von den Rentengeschenken bis zum Mindestlohn alle möglichen Vorhaben auf dem Weg. Jetzt erst nennt die Familienministerin von der SPD zusammen mit dem Justizkollegen die Leitlinien für die Quote, die ja bereits im Koalitionsvertrag zu finden sind.

Haben sie gezögert, weil nicht nur Industriekapitäne gegen das Vorhaben wettern, sondern auch die führenden Gewerkschaften? Die fürchten Konflikte in den von ihnen mitkontrollierten Konzernen.

Es könnte hier und da schwierig werden, das stimmt, aber nur, weil viele Konzerne lange geschlafen haben. Und überhaupt: Sonst stürzen sich Gewerkschafter genau wie CEOs sehr gerne in Konflikte und (Hahnen-)Kämpfe – nur nicht, wenn es um Geschlechtervielfalt geht.

Nein, die Einwände auf Arbeitnehmerseite sind nicht besser als die aufseiten der Arbeitgeber – das sollten auch sozialdemokratische Minister wissen.