Eines haben deutsche Produkte und deutsche Touristen gemeinsam: Man findet sie überall, im hintersten Bergwinkel wie auf fernsten Archipelen. In der offiziellen Außenhandelsstatistik der Bundesrepublik ist an letzter Stelle auch Nauru verzeichnet, ein winziger Inselstaat im Pazifik. Dorthin schickte Deutschland 2013 Blitzschutzvorrichtungen und Spannungsbegrenzer im Wert von etwa 2.000 Euro – und bezog 5 Hosen, 19 Hemden und 1.684 Hüte, die zusammen rund 12.000 Euro kosteten.

Die knapp 10.000 Einwohner Naurus erwirtschafteten damit im Güteraustausch mit Deutschland einen ordentlichen Überschuss, was sie zu einer Ausnahme im Rest der Welt macht. Dorthin exportiert die Bundesrepublik nämlich seit Jahrzehnten mehr, als sie an Waren bezieht. Allein Frankreich, Deutschlands größter Handelspartner, musste 2012 ein Defizit von knapp 40 Milliarden Euro verzeichnen. Im Plus liegen dagegen unter anderem solche Staaten, aus denen Deutschland seine Rohstoffe bekommt – Russland, aber auch Norwegen, Libyen oder Nigeria. China, die Werkbank der Welt, erzielte zuletzt ebenfalls einen Überschuss im Handel mit Deutschland. 2012 lag er bei 10,7 Milliarden Euro.

Zudem hat die Volksrepublik den Deutschen längst den Titel des Exportweltmeisters abgejagt. Chinas Aufstieg – und der der übrigen Schwellenländer – ist überdies dafür verantwortlich, dass Deutschlands Anteil am Welthandel, der Anfang der 1990er Jahre bei rund zwölf Prozent lag, auf inzwischen unter acht Prozent gesunken ist. Zugleich wurden die Schwellenländer zu wichtigen Handelspartnern. Das erklärt, warum die Bedeutung der Staaten der Euro-Zone als Abnehmer deutscher Produkte während der vergangenen zwei Jahrzehnte zurückgegangen ist.

Allerdings sind die Länder Europas nach wie vor die wichtigsten Handelspartner der Bundesrepublik. In sie werden noch immer die meisten deutschen Fahrzeuge, Maschinen, Chemieprodukte, Medikamente oder Süßwaren geschickt. Die Folge: Knapp zwei Drittel des gesamten deutschen Handelsüberschusses entfällt auf die EU-Staaten, davon mehr als ein Drittel auf die Euro-Zone.

Ob Deutschland damit auf Kosten seiner Nachbarn stärker wird, ist eine viel diskutierte Frage. Dass von dieser Stärke viele profitieren, steht dagegen außer Zweifel: Jeder vierte deutsche Arbeitsplatz hängt direkt oder indirekt vom Export ab, in der Industrie ist es sogar jeder zweite. Ein möglichst freier Handel nützt den Deutschen also. Sanktionen gegen Russland? Ablehnung des angestrebten Freihandelsabkommens zwischen Europa und den Amerikanern? Für Deutschlands Wohlstand ist beides nicht ungefährlich.