Frankreich hat Marine Le Pen, Deutschland nur Bernd Lucke. Unterschiedlicher könnten die zwei nicht sein, die Parteiführerin des Front National (FN) und der Vorsitzende der Alternative für Deutschland (AfD). Das zeigt sich am deutlichsten in Fernsehdiskussionen: Hier ein hyperventilierender Expertendarsteller, der sich erregt verhaspelt und schon mal flügelschlagend das Fernsehstudio verlässt, dort die in sich ruhende Wucht in Tüten, die ihre Kritiker mit maliziösem Grinsen in den Boden rammt.

Beide führen Parteien an, die ihren politischen Ort als "jenseits von rechts und links" beschreiben und deren erklärte Ziele die Abschaffung des Euro sowie der Abbau übernationaler Kompetenzen der EU sind. Und beide werden nach aller Wahrscheinlichkeit Ende Mai ins EU-Parlament gewählt. Schon ist die Rede davon, dass sich der FN mit der AfD sowie den Rechtspopulisten aus England, Holland und anderen Mitgliedsländern zusammentun könnte, um die Arbeit der übrigen Parlamentarier zu sabotieren. Hoffentlich wissen die AfDler, mit wem sie es da womöglich zu tun haben werden.

Die Gemeinsamkeiten sollten nicht über die Unterschiede hinwegtäuschen. Die AfD ist eine Gruppe schwer integrierbarer Leute, die sich außerhalb der europafreundlichen Volksparteien um einen Platz im parlamentarischen System bemühen. Der Front National hingegen ist ein starker dritter Faktor neben den regierenden Sozialisten und der bürgerlichen Opposition. Die erste Runde der französischen Kommunalwahlen vom vergangenen Sonntag zeigte, wie sehr sich die Frontisten bereits in der Provinz einnisten konnten. Ihre Anhänger sind typischerweise jung, oft proletarisch, bemerkenswert weiblich, und sie gehen gerne auf die Straße; Luckes Basis präsentiert sich dagegen grau, akademisch, männlich und am liebsten im Versammlungsraum.

Das AfD-Programm ist wirtschaftsliberal. Seit Kurzem ist Hans-Olaf Henkel, der personifizierte Radikalkapitalismus, das zweite Gesicht der Partei. Le Pens Truppe hingegen will höhere Mindestlöhne, eine gelenkte Wirtschaft und Protektionismus – ganz so wie der linke Flügel der Sozialisten.

Das eigentliche Erkennungsmerkmal der Frontisten ist ihr Ausländerhass: Keine weiteren Immigranten, und für die bereits Eingewanderten keinen Cent und keinen Sou, so geht ihre Rede, und in der Schulkantine soll es auch mal nur Schweinewürstchen geben. Sollen die muslimischen Kinder doch so lange in ihre Moschee gehen. Die man aber nicht bauen dürfen soll. Die AfD dagegen will nur noch Hochqualifizierte ins Land lassen; mag sie herzlos sein, ist sie doch nicht hasserfüllt.

Anders gesagt: In der AfD existieren zwar ultrarechte Randgruppen, die ins Zentrum der Partei vorstoßen wollen. Aber der FN ist eine ultrarechte Partei, die ins Zentrum der Gesellschaft vorstößt. Der Unterschied zwischen beiden ist letztlich der zwischen beknackt und gefährlich.

Sie wolle bei den Kommunalwahlen 2014 nicht bloß Proteststimmen einsammeln, hat Marine Le Pen einmal gesagt; Umfragen belegen, dass die grobe Blonde das tatsächlich geschafft hat. Der FN erntet mittlerweile ausdrückliche Zustimmung zu seinem Programm.