Es gibt wenige Berufe, in denen die klassischen männlichen Tugenden – Stärke, Kampfgeist – noch von Vorteil sind, zu ihnen gehört der Profifußball. Wo Konflikte nicht mit einem aufgesetzten Lächeln gelöst werden, wie im Büro, sondern, wenn es gar nicht anders geht, auch mal mit einem Tritt gegen das Schienbein. Fußballer galten lange als prollig. Jetzt, da viele Männer nur noch höflich und nett sein wollen, um sich keine Blöße zu geben, gehören Fußballer zu den Letzten, die vorleben, was Männer immer ausgemacht hat: offen austeilen können, aber auch einstecken. Runterschlucken, wenn es drauf ankommt. Weitermachen, als wäre nichts geschehen.

Das beweist gerade Robert Lewandowski, der abgebrühteste und beste Stürmer der Bundesliga. Vor einem Jahr sickerte durch, dass er gern bei Bayern München spielen wollte. Doch sein Vertrag bei Borussia Dortmund lief noch bis 2014, und die Dortmunder ließen ihn nicht gehen. Erst war Lewandowski sauer. Er zeterte, das sei alles "nicht fair", seine Spielerberater heizten das Zerwürfnis mit seinem Verein monatelang an. Schließlich ging es für Lewandowski um ein paar Millionen Euro mehr Gehalt in den nächsten Jahren. Doch auf dem Platz zeigte Lewandowski nur sein Pokergesicht. Er schoss Tore, und immer wieder noch eins – einmal sogar drei nacheinander in einem Spiel. In seinem Gesicht stand geschrieben, dass ein Mann sich nicht ständig erklären muss. Dass ein Mann auch schweigen kann, wenn alle andern durcheinanderreden. Dass er Schwäche zeigen und auch mal jammern kann – aber dann ist gut.

Das Stoische, Unbeirrbare ist auch heute noch ein Charakterzug, der jedem Mann gut steht. Im Januar 2014 unterschrieb Robert Lewandowski seinen Vertrag mit dem FC Bayern, für die nächste Saison. In dieser Saison wird er bestimmt Torschützenkönig.