Vito Schnabel, mein Lieber. Jetzt müssen wir von der Gesellschaftskritik auch mal was Nettes sagen. Nämlich wie klasse wir es finden, wie Sie schon seit Jahren schweres Leid mindern. Sind immer da, sobald eine Frau eine Trennung zu verkraften hat, haben erst Demi Moore getröstet, eine sicherlich nicht einfache Aufgabe, dann Liliana Matthäus, die Frau, von der Lothar Matthäus verlangt hatte, die Joghurts im Kühlschrank nach Datum zu sortieren. Wie zeigt man einem solchen Menschen, dass das Leben unbeschwert sein kann? Und jetzt also Heidi Klum, post-Seal, post-Bodyguard.

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Zuverlässig wie Ärzte ohne Grenzen sind Sie auch hier zur Stelle, küssen, halten Händchen, füttern die Paparazzi mit frischen Bildern, tragen einen Teil der Last. Und weil Sie mit Ihren 27 Jahren bereits ein erfolgreicher Galerist sind und der Sohn des New Yorker Großkünstlers Julian Schnabel, gehen Sie mit ihr auch auf Vernissagen, was natürlich für Frauen wie Heidi der allerbeste Weg ist, um zu erkennen, dass das Leben so viel mehr sein kann als ein Hürdenlauf aus Jobs und challenges. Und ganz nebenbei, lieber Vito, haben Sie auf diese Weise ein neues Rollenvorbild geprägt, für den Mann, der einer Frau in Not beistehen möchte.

Nach dem Witwentröster (Aristoteles Onassis), dem Frauenversteher (Elton John, Udo Walz, Hasnat Khan), dem Gigolo (Olivier Martinez), dem Toyboy (Jesus Luz et al.), dem Heiratsschwindler (Helg Sgarbi) zeigt sich in Ihnen der Mann nun in einer völlig neuen und, wie wir finden, nahezu perfekten Inkarnation: als jugendlicher Retter. Jung, aber nicht mittellos; süß, aber nicht gehirnamputiert; sexy, aber klug genug, um zu wissen, dass Sex nicht alles ist. Wir lesen mit Freude, dass Sie Heidi in den Louvre entführt haben, von wo diese gleich ein Selfie von sich und der Mona Lisa getwittert hat. Bei der anschließenden Diskussion über Frauenbilder im Wandel der Jahrhunderte wären wir gern dabei gewesen!

Aber das ist noch nicht der Clou an Ihnen, lieber Vito. Der eigentliche Clou ist, dass Sie ein Mann sind, der im Gegensatz zu seinen Vorgängermodellen keine eigene Bedürftigkeit stillt. Der nicht auf der Suche ist nach Glamour, Jugendlichkeit, Geld. Ein Mann, der nichts will. Außer eine Frau eine Zeit lang ein bisschen glücklicher zu machen. Sind Sie, lieber Vito, vielleicht sogar das Ende der Evolution?

Wir sind dafür.