Wer früher ein Held sein wollte, der musste auf jeden Fall das Zeug dazu haben, einem eventuellen Gegner ordentlich die Fresse zu polieren. Helden zeichneten sich durch ihre Robustheit aus. Und sie hatten natürlich keine Angst, einem Widersacher entgegenzutreten. Dazu brauchten Helden starke Schultern. Und eigentlich nicht allzu viel Gehirn. Helden gab es auf Schlachtfeldern und ihren zivilen Entsprechungen, den Sportplätzen. Im Krieg sind schon längst keine Helden mehr zu finden. Und im Sport schwindet der Heldenbegriff mit jedem weiteren Dopingfall. Je mehr man weiß, desto weniger Helden gibt es – ist der Held doch ohnehin eine Figur, die mehr in der Fantasie als unter den Menschen lebt.

In den vergangenen Jahren ist ein neuer Heldentyp aufgetaucht: der aufrechte Nerd. Der Nerd hatte als Heldenfigur bislang nicht viel hergegeben. In den achtziger Jahren lief die Serie Riptide (Trio mit vier Fäusten). Da sorgen die aufrechten Vietnam-Veteranen Cody und Nick für Gerechtigkeit, während ihr Freund Murray den liebenswerten schmächtigen Computerfreak gibt. Heute sind Cody und Nick auf der anderen Seite, denn wir fühlen uns von amerikanischen Institutionen verfolgt, die keine Hemmungen zeigen, uns bis in die letzten Winkel unserer Computer auszuspionieren. Und die Einzigen, die sich wirkungsvoll dagegenstellen, sind Menschen wie Edward Snowden: schmächtige, blasse Männchen.

Wir wissen nicht viel über Snowden. Er taucht ja nur durch einzelne kurze Videoschnipsel auf. Der Rest ist Fantasie: ein echter Held.