ZEITmagazin: Herr Lagerfeld, kleiden sich Männer heute besser als früher?

Karl Lagerfeld: Sie haben Fortschritte gemacht. Die Frauen sind anspruchsvoller geworden, da müssen sich die Männer ändern. Wenn ein Mann ungepflegt ist, wird das nicht mehr als Zeichen von Männlichkeit missverstanden.

ZEITmagazin: Soll ein Mann sich extravagant kleiden oder extravagant reden?

Lagerfeld: Beides. Ich selbst halte mich allerdings nicht für extravagant. Ich habe einfach meinen Look gefunden. Der hat sich irgendwie von selbst entwickelt.

ZEITmagazin: Seit wann tragen Sie denn die Sonnenbrille?

Lagerfeld: Seit 1967. Ich war mit einer Bekannten in einem Nachtclub. Da kam so ein Knilch, mit dem hatte sie mal ein Verhältnis gehabt. Wie der mich mit ihr sah, wollte er ihr ein Glas an den Kopf schmeißen. Er traf aber mein Auge. An dem Tag hatte ich zufällig eine Brille auf, ich bin nämlich leicht kurzsichtig. Das Gestell hat die Wucht abgefangen, sonst hätte ich jetzt ein Auge weniger. Da wurde mir bewusst, dass meine Augen das Wertvollste sind, was ich habe. Seitdem gehe ich nicht mehr ohne Brille aus dem Haus.

ZEITmagazin: Und warum mit gefärbten Gläsern?

Lagerfeld: Ich finde, damit sehen alle Leute zehn Jahre jünger aus.

ZEITmagazin: Wann kam der Zopf?

Lagerfeld: Das war 1976. Mein Haar war mir etwas zu wellig. Es ist ja heute noch sehr kräftig, ich muss es bändigen. Wenn das Wetter feucht ist, steht es mir vom Kopf. Also habe ich es festgesteckt, denn ich wollte es nicht abschneiden. Der Zopf ist die einfachste Frisur der Welt. Ich habe kein Talent für Frisuren. Ich liebe es aber, zu bürsten, ich kann bürsten, bis es blutet. Ich mache Bürsten kaputt wie andere sonst was.

ZEITmagazin: Sie haben Ihren Look also nie bewusst entworfen, er hat sich so nach und nach zusammengesetzt?

Lagerfeld: Ja, das halte ich für gesund.

ZEITmagazin: Wie stehen Sie zu Sportswear?

Lagerfeld: Ich habe nichts dagegen, aber die große Gefahr ist, dass man sich darin gehen lässt. Wenn Sie in der Taille dicker werden, gibt das Gummiband einfach nach.

ZEITmagazin: Sollen Männer Sneakers tragen?

Lagerfeld: Wenn sie Probleme mit den Füßen haben, warum nicht?

ZEITmagazin: Und Sandalen?

Lagerfeld: Ich finde Schuhe mit freien Zehen nur gut, wenn man die schönsten Füße der Welt hat. Ob Mann oder Frau. Mittelmäßig gepflegte Füße in Sandalen sind grauenhaft. Noch schlimmer sind Herrensandalen mit Socken.

ZEITmagazin: Was ist mit Blumendrucken für den Herrn?

Lagerfeld: Warum nicht – habe ich nichts gegen. Man muss ja auch nicht zu sehr farbfeindlich sein.

ZEITmagazin: Sollen Männer wieder mehr Krawatte tragen?

Lagerfeld: Erlaubt ist, was gefällt. Ich bin da leidenschaftslos. Solange ich noch eine tragen darf, ist mir das egal. Wenn ich mir die Leute im Fernsehen anschaue, denke ich, vielen stünde eine Krawatte besser. Schlabberige Hälse sind ja auch nicht schön.

ZEITmagazin: Männlicher Bauch: Ja? Oder: Nein?

Lagerfeld: Vor hundert Jahren, als es noch Paschas gab: Ja.