Männer sind unter Druck. Bei der Arbeit wird immer mehr Einsatz verlangt, obwohl die Belohnung dafür immer unsicherer wird. Zu Hause sollen sie die Hälfte der Hausarbeit machen, sich mehr um die Kinder kümmern und im Schlafzimmer fantastische Liebhaber sein, als logische Folge unserer sexualisierteren Gesellschaft.

Die Gesellschaft hat sich verändert, und die Antworten von Frauen und Männern auf diese Veränderungen sind radikal verschieden: Während die Netzwerke von Frauen wachsen, lösen sich die männlichen auf. Bei der Arbeit wird Fairness zwischen den Geschlechtern propagiert, und Männer beginnen, sich ihrer Netzwerke, die ihnen Vorteile sicherten, zu schämen. Im Privatleben ist es ähnlich: In Westeuropa verschwindet die Kneipenkultur, vormals ein männliches Revier, zusehends.

Der amerikanische Soziologe Ray Oldenburg plädiert in dem großartigen Buch The Great Good Place daher für einen "dritten Ort" neben Arbeitsplatz und Zuhause. Einen Ort, an dem man einfach man selbst sein kann. In Finnland ist das die Sauna, in Paris das Straßencafé, in Berlin die Kneipe. Aber Männer ziehen sich immer öfter von diesen "dritten Orten" zurück.

Ich habe mit vielen Männern über dieses Thema gesprochen, und in ihren Antworten ist ein Muster erkennbar. Wenn bei der Arbeit und zu Hause alles gut läuft, ist ihr System stabil. Doch sobald es Schwierigkeiten gibt, fühlen sie sich isoliert und allein.

Nicht nur Frauen brauchen ihre Netzwerke, um unter sich Gefühle und Ideen auszutauschen, sondern auch Männer. Den Pub bei mir um die Ecke besuchen vor allem Männer. Dort weiß niemand, dass ich Professor bin, und erst recht hat niemand meine Bücher gelesen. Ich bin dort einfach Gareth, und alles, was von mir verlangt wird, ist, einigermaßen unterhaltsam zu sein und ab und zu ein Getränk zu bestellen. Aber die Wirkung auf mich ist ähnlich wie beim Besuch einer Selbsthilfegruppe – wenn meine Arbeit oder das Familienleben mich herausfordern, führen unsere geteilten Erfahrungen als Mann dazu, dass die anderen zumindest ansatzweise mit mir mitfühlen.

Es gibt alle möglichen Netzwerke, die Männer sich schaffen können – Lesekreise, Filmclubs, Wandergruppen, Sportvereine. Mitglieder eines Männer-Lesekreises sagten mir, dass es bei ihnen nicht nur um Literatur gehe, sondern auch darum, über das Leben an sich und das Leben als Mann zu reden. Es war ihnen zwar ein wenig unangenehm, den weiteren Sinn ihrer Lesegruppe zuzugeben – aber es gibt ihn. Es ist vollkommen legitim für Männer, Orte und Netzwerke zu schaffen, die ihnen erlauben, ihre Erfahrungen als Mann zu teilen und zu diskutieren. Nicht zuletzt die Beziehungen zwischen Männern und Frauen können davon profitieren.