ZEITmagazin: Frau Kerschke-Risch, essen Männer anders als Frauen?

Pamela Kerschke-Risch: Ja. Männer essen mehr Fleisch als Frauen. 15 Prozent aller Frauen essen gar kein Fleisch, aber nur 8 Prozent der Männern. Das sogenannte Lieblingsgericht ist bei 40 Prozent der von uns befragten Männer "etwas mit Fleisch".

ZEITmagazin: Ist die Vegetarierdebatte eine Mann-Frau-Debatte?

Kerschke-Risch: Das könnte schon sein. Immerhin geben 8 Prozent der Frauen an, dass ihr Lieblingsessen Salat und Rohkost ist. Nur 3 Prozent der Männer essen das gern. Man muss aber bei Angaben zum Fleischkonsum vorsichtig sein. Studien zeigen, dass viele Vegetarier trotzdem Fleisch und Wurst essen. Das Fleischessen ist etwas, das gern verdrängt wird.

ZEITmagazin: Essen Frauen lieber Süßigkeiten als Männer?

Kerschke-Risch: Die Präferenz für Süßes ist allen angeboren. Tatsächlich würde man wohl in einer Männerzeitschrift keine Rezepte für süße Schlabbergerichte finden. Das heißt in der Soziologie "Erfüllung von Erwartungserwartungen": Torten gelten als unmännlich, also kommen die nicht in Männerzeitschriften vor, also gelten sie als unmännlich.

ZEITmagazin: Was sind weitere Unterschiede bei der Ernährung?

Kerschke-Risch: Der Anteil der Übergewichtigen ist unter den Männern deutlich höher als bei den Frauen. Aber die wichtigste Erklärung für unterschiedliches Essverhalten zwischen Männern und Frauen ist nach unseren Erkenntnissen, dass Männer nicht groß auf ihre Gesundheit achten. 25 Prozent aller Männer sagen: Ich esse, was mir schmeckt, alles andere ist mir egal. Bei den Frauen sind es 15 Prozent.

ZEITmagazin: Männer dick, Frauen auf Diät: Wird es so bleiben?

Kerschke-Risch: Ich bin optimistisch: Männer wissen heute, dass Ernährung und Gesundheit zusammenhängen, das erkennen wir in unseren Studien. Bisher folgte kein Handeln daraus, aber das wird sich ändern, weil auch Männer heute mit Schönheitsidealen konfrontiert sind. Nur haben sie bislang keine Ahnung, wie viele Kalorien wo drinstecken. Das Wissen, das Frauen sich über Essen aneignen, ist dagegen enorm: Fettsäuren, Kohlenhydrate ... Viele Frauen machen in der Pubertät die erste Diät.

ZEITmagazin: Da würden jetzt viele sagen: Ist doch schrecklich!

Kerschke-Risch: Natürlich essen Frauen restriktiv wegen des Schlankheitsideals. Aber es führt dazu, dass Frauen gesünder essen und gesünder sind. Es ist auch eine Emanzipation des Mannes von der Frau, wenn er sich nicht mehr an den gedeckten Tisch setzt, sondern sich mit dem Thema Essen befasst.