200 Jahre korporative Altmännerwelt gehen zu Ende. Wenn stimmt, was die kluge Professorin Barbara Vinken sagt, hat anlässlich der Französischen Revolution nicht nur der König seinen Kopf verloren, sondern der Mann seine seidenen Beinkleider, die durchgeknallten hochhackigen Schühchen, den Glitzer und Flitter von Brokat und Spitze. Stattdessen: Zweiteiler in der Farbpalette Blau und Grau und Schwarz, mit farblich passenden Strümpfen, öden Schuhen. Sparsamste Gestik, bloß keine Mimik oder gar Gefühle zeigen – das sind die Insignien der korporativen Männerbündelei. Wenn lachen, dann als Dröhnen. Mit dieser Langeweile ist jetzt Schluss. Die Aktienkurse der heiligen Korporationen rasen hysterisch himmelwärts und höllentief, wer wollte darauf noch eine Lebensperspektive gründen?

Endlich können sich auch Männer mal umschauen, befreit von der Bürde, für Gattinnen und Kinder lebenslang zu malochen, bis zur Scheidung und darüber hinaus. Geld verdienen müssen sowieso alle. Das sorgt für Gender-Equality, sagen wir: Partnerschaft. Vielleicht fährt er vormittags mal zum Tennis und sie in die Firma? Und schon werden die Socken frecher, die Höschen kürzer, die Typen mutiger. Manche tragen schon gar keine Socken mehr und zeigen verführerisch ein bisschen Haut. Im kalten Frühjahr! Womöglich ist es bald normal, dass Männer im Café sitzen und zwischen den Fingern prüfen, was das doch für ein tolles Stöffchen ist, was der Freund da trägt – und sagen ihm, wie gut er aussieht. Ohne gleich als schwul zu gelten. Coming-out war gestern, jetzt wird alles hübsch normal.